Arbeitgeberbewertungen im Netz: Spagat zwischen Risiko und Nutzen

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Im Jahr 2015 scheint Social Media bei den deutschen Unternehmen angekommen zu sein. Laut einer aktuellen Studie des Digitalverbands BITKOM nutzen inzwischen drei Viertel (75 Prozent) Social Media für die interne oder externe Kommunikation. Signifikante Unterschiede nach Unternehmensgröße gibt es dabei nicht. In einem Punkt gibt es bei vielen Unternehmen allerdings noch Aufklärungsbedarf: Bei der Überwachung und dem Management von Arbeitgeber-Bewertungen im Netz tun sich viele Personaler schwer. Wir geben einen Überblick über Risiken und Chancen der Arbeitgeber-Bewertungsportale.

Arbeitgeber-Bewertungsportale für Generation Y schon Standard

Arbeitgeber-Bewertungen stellen einen rasant wachsenden Markt innerhalb von Social Media dar. 2007 kam die Idee auf, Bewerbern die Chance zu geben, einen Blick hinter die Firmenfassade zu werfen, indem Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter Kriterien wie „Betriebsklima“, „Entwicklungsmöglichkeiten“ oder „Vorgesetztenverhalten“ bewerten und auf einer Plattform veröffentlichen. Acht Jahre später gehören Arbeitgeber-Bewertungsportale zu den meinungsbildenden Plattformen, die insbesondere von den heutigen Absolventen und Bewerbern der Generation Y genutzt werden und zu einem wichtigen Teil des Employer Brandings geworden sind.

Und sie wirken sich nicht nur auf die Meinung, sondern ganz real auch auf das Entscheidungsverhalten potentieller Bewerber aus. Eine schlechte Arbeitgeber-Bewertung kann dazu führen, dass Bewerber sich gegen eine Firma entscheiden. Jeder vierte Internetnutzer (26 Prozent) gibt an, sich im Netz schon einmal über die Arbeitgeber-Bewertungen von Unternehmen informiert zu haben. Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der Wechselwilligen haben sich durch diese Bewertung in ihrer Entscheidung beeinflussen lassen. Das teilte der Hightech-Verband BITKOM auf Grundlage einer repräsentativen Umfrage schon im Jahr 2013 mit – seitdem ist die Akzeptanz der Portale eher noch stärker geworden.

So verzeichnet Marktführer kununu nach eigenen Angaben inzwischen 864.000 Erfahrungsberichte über Gehalt, Betriebsklima und Bewerbungsprozesse zu 206.000 Unternehmen. Dahinter gesellen sich zahlreiche Portale wie jobvoting.de, meinchef.de, bizzwatch und seit neuestem glassdoor.de. Ihnen allen gemeinsam ist das Kerngeschäft, Arbeitgeber-Bewertungen von (ehemaligen) Mitarbeitern zu generieren.

Überwachung von Arbeitgeber-Bewertungen entscheidend

Dies geschieht anonym nach einer Registrierung und bietet viel Raum für Subjektives. Denn zu den 13 Kriterien, die auf kununu beispielsweise anhand einer von 1-5 reichenden Skala zu Vorgesetztenverhalten, Kollegen, Chefs, Work-Life-Balance, Arbeitsatmosphäre etc. abgefragt werden, kommt i. d. R. noch eine Kommentaroption hinzu. Hier kann frei formuliert werden – positiv („ein Traum wurde wahr“) wie negativ („Rotz“). Wohl dem Personaler, der die Arbeitgeber-Bewertungen seines Unternehmens regelmäßig checkt und ggf. das Angebot der „Offiziellen Stellungnahme“ nutzt.

Abgesehen von der Kernaufgabe der Arbeitgeber-Bewertungen gehen die Geschäftsmodelle der verschiedenen Anbieter weit auseinander. Viele bieten – wie andere Informationsportale auch – immer mehr Content und Services an, um attraktiv nach außen (Imagegewinn) und erfolgreich nach innen (Ertrag) zu sein.

Vom Bewertungsportal zur Präsentationsbühne für willige Arbeitgeber

So bieten Portale wie kununu und jobvoting.de den Arbeitgebern zahlreiche kostenpflichtige Maßnahmen, um sich im Sinne des Employer Brandings passgenau der Zielgruppe zu präsentieren: von wer sie sind, was sie bieten, wen sie suchen, über Bewerbungstipps bis hin zu Unternehmensvideos. Die Beratung dazu gehört zum Leistungsportfolio. Für Arbeitnehmer und Praktikanten – die „Bewerter“ und „Bewerber“ – ist die Nutzung hingegen selbstverständlich kostenfrei.

Kategorien wie „Top Unternehmen“ mit besonders guter durchschnittlicher Bewertung und „Meistbesuchte Unternehmen“ schaffen eine höhere Vermarktungsebene der Bewertungsergebnisse, die sich die Portale geschickt zu Nutze machen. In die gleiche Kategorie der Vermarktungschancen fallen die portaleigenen Auszeichnungen, die „Arbeitgeber Gütesiegel“, verliehen an einen exklusiven Kreis von bewerteten Unternehmen, die sich durch Authentizität und Offenheit für die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Qualitäten als Arbeitgeber auszeichnen.

Und der Druck auf die Unternehmen steigt: Machen sie bei dem Bezahl-Modell nicht mit, tauchen um ihre Bewertungsseite herum die Konkurrenten aus der Branche auf. Ein Beispiel ist BMW, Deutschlands beliebtester Arbeitgeber in zahlreichen Umfragen. An der Stelle, wo sonst das Unternehmensporträt stünde, stellt sich die Volkswagen AG nebst diversen Unternehmen aus der Zuliefererbranche als Arbeitgeber vor.

Dennoch mit den Wölfen heulen und Chancen nutzen

Trotz all der genannten „Zwangsmaßnahmen“ bieten Bewertungsportale Arbeitgebern natürlich auch viele Chancen. Egal ob negatives oder positives Feedback, Unternehmen, die die Kritik ernst nehmen, können sich durch sie kontinuierlich verbessern. Zumal die anonymen Bewertungen meist ehrlicher sind, als selbst erstellte Mitarbeiterbefragungen sie jemals hervorbringen könnten.

Zudem bietet sich die Chance des Imagegewinns und der Steigerung der Bekanntheit. Durch geschickt platzierte Anzeigen im Umfeld des Wettbewerbs können potentielle Bewerber auf das eigene Profil gelenkt werden und sogar Mitarbeiter abgeworben werden. Auch können Arbeitgeber mit den kostenpflichtigen Imageprofilen mit großen Bildwelten auf die gewünschten Botschaften ihres Unternehmens Aufmerksamkeit generieren, in der Authentizität vielleicht noch flankiert durch – allerdings noch kostenintensivere – Objektivität verheißende Audits durch externe Experten und kooperierende Medienpartner. Und nicht vergessen: heute noch Festnetz, morgen schon MobileWer nun auf den Zug der Arbeitgeber-Bewertungen mit noch mehr Power aufspringen möchte, dem sei noch gesagt: Ohne Mobile-Apps wird zukünftig wohl nicht mehr viel laufen, wenn man die Generation Y im Boot haben will. Schon wird prognostiziert, dass die Zukunft von Plattformen zunehmend davon abhängig ist, wie gut sie sich auf den Trend Mobilität einstellen können. Für die Personaler heißt das im Umkehrschluss, was unter dem Stichwort „Mobile Recruiting“ derzeit viel diskutiert wird: Sie brauchen mobiloptimierte Unternehmens-Infos, mobiloptimierte Stellenanzeigen und eben zukünftig auch das Angebot an die Bewerber, sich über Business-Netzwerke inkl. den beschriebenen Portalen zu bewerben.

http://www.1000jobboersen.de/

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