Buchmarketing: Was beim Buch-PR zu beachten ist

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Nicht nur Romanschriftsteller, auch Autoren von Businessbüchern träumen davon, dass ihre Publikation zum Bestseller wird. Unter welchen Voraussetzungen dieser Wunsch Wirklichkeit werden kann, erklärt der promovierte Medienpsychologe und Buch-PR-Experte Dr. Michael Gestmann.

Frage:  Die diesjährige Buchmesse in Frankfurt beginnt diese Woche. Neben Belletristik und Sachbüchern werden auch viele neue Businessbücher vorgestellt. Wovon hängt es ab, dass ein Buch zu einem Bestseller wird?

Dr. M. Gestmann:Zunächst ist deutlich zu sagen: Wer sich als Autor allein auf die Marketingaktivitäten seines Verlags verlässt, wird bitter enttäuscht werden. Die meisten Verlage kümmern sich nur um wenige Top-Autoren, und selbst das häufig mehr schlecht als recht. Meist versenden die Verlage für Businessbücher lediglich eine Meldung, den so genannten „Waschzettel“, an Print- und Onlineredaktionen, das war’s dann. Um gute Verkaufszahlen zu erzielen, muss mehr getan werden.

Frage:  Was bedeutet das für Autoren?

Dr. Michael Gestmann:Das bedeutet, dass jeder Autor die Vermarktung seines Buches selbst in die Hand nehmen und alle Marketingregister ziehen muss. Sonst dümpelt sein Buch nur so dahin. Und das wäre schade. Denn ein Buch zu schreiben, ist mit einem enormen Aufwand verbunden.

Frage:  Was empfehlen Sie Autoren, die den Verkauf ihres Buchs ankurbeln wollen?

Dr. Michael Gestmann: Wichtig ist es beispielsweise, nicht nur Pressemitteilungen zu versenden, sondern anschließend – zumindest die wichtigsten Redaktionen – abzutelefonieren. Speziell Businessbuchautoren bieten sich in Wirtschaftsmagazinen, Online-, Fach- und Branchenmedien zahlreiche Möglichkeiten, um Artikel mit Buchhinweisen zu veröffentlichen. Wer das konsequent macht, verkauft nicht nur mehr Bücher, sondern erhöht zugleich seinen Experten-Status. Der Erfolg zahlreicher renommierter Berater und Speaker belegt das.

Frage:  Wen meinen Sie?

Dr. Michael Gestmann: Hans-Georg Häusel zum Beispiel. Sein Erstlingswerk „Think Limbic“ (Haufe Verlag) wurde nur deshalb ein Bestseller, weil Häusel selbst intensiv – mit Agenturunterstützung – die Vermarktung seines Buches forcierte. Der Vorstand der Gruppe Nymphenburg legte damit den Grundstein für seinen Ruf als aktuell führender Neuromarketingexperte in Europa. Auch Autoren wie Hermann Scherer, Marco von Münchhausen, Lothar Seiwert und viele andere hätten heute nicht den Erfolg, wenn sie das Buchmarketing nicht in die eigenen Hände genommen hätten.

Frage:  Ist die Vermarktung über die Medien wichtiger als über den stationären Handel?

Dr. Michael Gestmann: Mittlerweile schon, denn Businessbücher werden überwiegend über Online-Buchhändler verkauft, immer weniger im stationären Handel. Das bedeutet, dass Autoren pfiffige Ideen benötigen, um mithilfe der Medien bekannt zu werden und ihre Bücher zu bewerben. Der Schlagfertigkeits- und Rhetoriktrainer Matthias Pöhm hat sogar eigens die Anti-PowerPoint-Partei gegründet, um auf sich und sein Buch „Der Irrtum PowerPoint: Faszinieren Sie schon oder präsentieren Sie noch“ aufmerksam zu machen. Das Buch stellt das Parteiprogramm dar und kann von Mitgliedern der Anti-PowerPoint-Partei zum Vorzugspreis bezogen werden. Tatsächlich berichteten die Medien weltweit über Pöhms Initiative, selbst The New York Times, Neue Züricher Zeitung, The Times, Guardian, CNN, Süddeutsche Zeitung, Financial Times u.v.w.. Gut für sein Image, gut für den Abverkauf seines Buchs.

Frage:  Lassen sich Bücher auch über das Social Web verkaufen?

Dr. Michael Gestmann: Natürlich. Doch der Aufwand, der dafür betrieben werden muss, ist immens und wird häufig unterschätzt. Zu empfehlen ist Autoren dennoch, ihr Buch bei den relevanten Communities und Blogs bekannt zu machen. Es gibt zig Portale und Blogger, die Bücher rezensieren und vorstellen. Auch Gastbeiträge, eine Fanpage auf Facebook und sehr geschicktes Storytelling beeinflussen die Vermarktung eines Buches im Web positiv.

Frage:  Lassen sich Bücher auch per Direktmarketing vertreiben?

Dr. Michael Gestmann: Ja, gerade Businessbücher eignen sich dafür. Wohl jeder Berater/Trainer verfügt über einen großen Verteiler ehemaliger Teilnehmer, Kunden und Interessenten. Diesen sollte er für Direktmarketingaktivitäten nutzen. Auch in Vortragsveranstaltungen und Seminaren lassen sich Bücher sehr gut direkt verkaufen.

Frage:  Immer häufiger verlegen Autoren ihre Bücher im Eigenverlag oder als E-Book. Was halten Sie davon?

Dr. Michael Gestmann: Wer im Eigenverlag veröffentlicht, sollte sich im Klaren sein, dass er die Werbetrommel für sein Buch noch heftiger schlagen muss. Das bedeutet einen erheblichen zeitlich und finanziellen Aufwand. Doch den scheuen viele. Allerdings wird das Buch dann zu einem Totalflop. Bei E-Books ist es ähnlich, da sie, anders als in den USA, hierzulande derzeit noch ein eher kümmerliches Dasein fristen.

Frage:  Was raten Sie den Autoren, die ein neues Buch veröffentlicht haben?

Dr. Michael Gestmann: Egal, für welchen Buchmarketingweg sich ein Autor entscheidet, ob Public Relations, Internet- und/oder Direktmarketing: Er muss diesen Weg konsequent und über einen längeren Zeitraum gehen. Nur dann lässt sich das vorhandene Absatzpotenzial eines Buches optimal ausschöpfen.

Dr. Michael Gestmann ist Gründer und Geschäftsführer der Bonner Aufmerksamkeits-Agentur Dr. Gestmann & Partner. Der promovierte Medienpsychologie hat sich mit seinem Team u.a. auch die auf die Vermarktung von Managementtrainern, Wissenschaftlern, Autoren und deren Büchern spezialisiert.

www.gestmann-partner.de

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