Cyber-Gefahren bedrohen die Wirtschaft

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Sicherheitsexperten in der deutschen Wirtschaft sehen Angriffe auf die betrieblichen Daten und die Informationstechnik sowie Spionage- und Ausspähangriffe nach wie vor als gravierendste Gefährdungen für die Sicherheit der Unternehmen. An dritter Stelle folgen klassische Kriminalitätsformen. Terrorismusgefährdungen oder die Auswirkungen von Kriegen und Bürgerkriegen haben einen geringeren Stellenwert. Das ergab die 12. Sicherheits-Enquête, eine umfangreiche Expertenbefragung der Sicherheitsfachzeitschrift WIK zusammen mit dem ASW Bundesverband – Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft e.V. und weiteren Partnern.

Insgesamt sehen die Sicherheitsexperten besorgt in die Zukunft: 89 % der Befragten gehen davon aus, dass die Gefährdung der Wirtschaft durch Sicherheitsrisiken weiter zunehmen wird. 11% denken, dass die künftige Gefährdungslage auf dem bisherigen Niveau fortbestehen wird, keiner erwartet eine Verbesserung der Risikolage.

Das drängendste Problem für Sicherheitsexperten in der Wirtschaft ist, wie bereits die Befragungen 2008, 2010 und 2012 ergeben haben, die Gefährdung von Unternehmensdaten und Unternehmenskommunikation durch Angriffe unterschiedlichster Art. Mehr als zwei Drittel der Befragten (72 %) – fast alle aus der klassischen, nicht-IT-orientierten Security – gehen davon aus, dass die Belastungen durch Cyber-Kriminalität künftig steigen werden. Auch die Aufwendungen für die Abwehr von IT-Gefährdungen treffen die Wirtschaft in zunehmendem Maße. 79 % der Befragten gehen davon aus, dass die Kosten für die IT-Sicherheit bis Ende 2015 real gestiegen sein werden. Vor diesem Hintergrund fordern die Experten auch mehr Unterstützung durch den Staat:78 % wünschen sich verstärkte behördliche Maßnahmen bei der Cybercrime-Bekämpfung.

Höhere Gefährdung durch Spionage

Auch bei der aus Sicht der Experten zweitwichtigsten Bedrohung – der Ausspähung durch Wettbewerber und nachrichtendienstlichen Spionage geht eine Mehrheit (61 %) von einem weiteren Anstieg der Gefährdung aus. Trotzdem hat das Thema Know-how-Schutz in den Unternehmen noch keine herausgehobene Bedeutung. Auch in vielen Firmen, in denen die befragten Experten von schützenswertem Know-how ausgehen, gibt es Schutzlücken: 43 % haben bisher keine Strategie, mit deren Hilfe Informationsabflüsse erschwert werden könnten.

Mit der behördlichen Unterstützung bei der Abwehr von Spionage aller Art sind die  befragten Sicherheitsexperten mehrheitlich zufrieden: 56% halten die Sicherheitsbehörden für vertrauenswürdig und für kompetente Partner der Wirtschaft, 55% sind der Auffassung, dass der Staat genug für die Spionageabwehr tut (41% hoffen auf ein zusätzliches Engagement, 4% auf weniger). 44% wünschen sich allerdings mehr Informationen zum Wirtschaftsschutz.

Häufigste Delikte, mit denen die Sicherheitsexperten in den vergangenen 24 Monaten konfrontiert wurden, waren Diebstähle (84% der Befragten), unkorrektes Verhalten von Mitarbeitern (Mitarbeiterdelikte: 70%, „Zeit-Diebstahl“: 78%), Einbrüche (71%) und Sachbeschädigung (Vandalismus : 65%, Graffiti: 61%). 63% aller Enquête-Teilnehmer sahen sich in den vorausgegangenen zwei Jahren mit mindestens einem tatsächlichen Cybercrime-Fall konfrontiert. Bei einem Viertel galt mindestens einer der registrierten Angriffe einem Produktionsrechner.

Hohe Budgets für Sicherheitsinvestitionen

Die Budgets der Sicherheitsabteilungen werden eher wachsen. 2016 werden ca. 40 % betrieblichen Sicherheitsexperten real mehr Geld zur Verfügung haben als 2015, bei 48% bleibt das Budget stabil, nur bei 12% werden Kürzungen erwartet.

Wenn in den Unternehmen in der Vergangenheit im Sicherheitsbereich gespart wurde, dann vor allem durch vermehrten Technikeinsatz anstelle von Personal. Entsprechend ist auch der Topf für sicherheitstechnische Investitionen gut gefüllt: Von 2015 bis 2017 wollen die befragten Security-Manager (ohne Sicherheitsdienstleister) im Schnitt in ihren Unternehmen jährlich 695.458 € für neue Sicherheitstechnik bereitstellen. Am häufigsten wurden Investitionen in die Bereiche Biometrie für Zutrittskontrolle und Zeiterfassung, elektronische Schließtechnik, Videoüberwachung, Alarmierungssysteme sowie Verschlüsselungstechnik (zum Beispiel für die Kommunikation) genannt.

Wichtig bei der Produktauswahl sind den Sicherheitsexperten Zertifizierungen, vor allem für das Produkt, aber auch für den Errichter oder den Hersteller — auf einer Skala von 1 (sehr wichtig) bis 6 (völlig unwichtig) wurden die Bedeutung von Zertifikaten mit 1,8 bis 2,2 bewertet – als wichtigste Zertifikate wurden jene von VdS Schadenverhütung genannt.

Stabiler Trend zum Outsourcing

84% der Befragten aus der betrieblichen Sicherheit hatten 2014 Sicherheitsaufgaben an externe Anbieter vergeben, im Durchschnitt waren es fünf aus 21 abgefragten Sicherheitsdienstleistungen, die fremdvergeben wurden. Am häufigsten wurden genannt: Objektschutz, Wartung von Sicherheitstechnik, Alarmaufschaltung, Empfangsdienst und Facility Management. Der Trend zum Outsourcing ist dabei ungebrochen: In 62% der Unternehmen wollen die Sicherheitsmanager bis Ende 2015 zusätzliche, bisher selbst erbrachte Sicherheitsservices (im Durchschnitt: drei weitere) outsourcen.

Die überwiegende Zahl der Kunden ist mit den von ihnen beauftragten Sicherheitsdienstleistern zufrieden: Die befragten Experten aus der betrieblichen Sicherheit gaben ihren Dienstleistungspartnern im Durchschnitt die (Schul-) Note 2,6.

Wichtiges Kriterium bei der Auftragsvergabe ist die Qualität des eingesetzten Personals. An der Spitze der Anforderungen steht die gute Ausbildung, gefolgt von deutschen Sprachkenntnissen und der Berufserfahrung der Mitarbeiter. Unerwünscht ist bei den Experten aus der betrieblichen Sicherheit dagegen der Einsatz von Subunternehmen und deren Mitarbeiter. Die bei der Enquête befragten Experten aus der Sicherheitsdienstleistung sahen das etwas anders: Sie empfahlen als wichtigstes Kriterium für die Auswahl des Dienstleisters, dass dieser bei der Entlohnung seiner Mitarbeiter die geltenden Tarife einhält.

Hintergrund

Die Befragung „WIK-Sicherheits-Enquête“ wird seit 1992/93 in zweijährigem Abstand von der Fachzeitschrift „WIK – Zeitschrift für die Sicherheit der Wirtschaft“ durchgeführt. Unterstützt wird sie vom ASW Bundesverband sowie wichtigen Wirtschaftsverbänden und bedeutenden Unternehmen der Sicherheitsbranche. An der zwölften WIK-Sicherheits-Enquête 2014/2015 (bis 31.1.2015) beteiligten sich 160 Sicherheitsexperten (vom einflussreichen einzelnen Sicherheitsberater bis zum großen Konzernunternehmen). Die Studie verfügt damit über einen hohen Aussagewert, auch wenn sie als Leserbefragung im methodischen Sinne nicht repräsentativ sein kann.

http://www.secumedia.de

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