Cybercrime: Geheime FBI-Abteilung entwickelt Technologien zur Netzüberwachung

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Laut US-Medien hat das FBI eine Elite-Einheit ins Leben gerufen, die sich auf Netzüberwachung spezialisiert haben soll. Die Abteilung soll insbesondere Technologien zur Entschlüsselung und Analyse von Kommunikationsdaten entwickeln. Seit Anfang Mai sucht das sogenannte „Domestic Communications Assistance Center“ über Anzeige neue Mitarbeiter.

Der Scoop, den das IT-Magazin Cnet gestern veröffentlichte, klingt wie das Setup aus Tom Clancys „Net Force„. Dabei handelt es sich um eine Spezialabteilung des FBI zur Aufdeckung von Cyberkriminalität. Eine solche Einheit soll die US-Behörde nun tatsächlich und ohne viel Tamtam ins Leben gerufen haben. Zu diesem Ergebnis kommt die Cnet-Redaktion um den Politik-Korrespondenten Declan McCullagh nach der Analyse mehrerer Dokumente und Interviews.

Das „Domestic Communications Assistance Center“ (DCAC) soll bereits 54 Millionen US-Dollar vom Senat eingesammelt haben. Hauptaufgabe sei nicht die direkte Spionage, sondern die Entwicklung von Technologien, die den untergeordneten Polizeibehörden die Überwachung, Entschlüsselung und Analyse von Kommunikationsdaten ermöglichen soll.

FBI sucht das Gespräch mit Internetanbietern

Bereits vor wenigen Wochen hatte Cnet darüber berichtet, dass das FBI Internetunternehmen, darunter Microsoft, Facebook, Yahoo und Google gebeten habe, Schnittstellen zur Überwachung durch die Behörden bereitzustellen. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll sicherstellen dass Webseiten und Anbieter von VoIP-, Instant-Messaging- und Web-E-Mail-Diensten ihren Code derart anpassen, dass ihre Produkte abhörfreundlich werden.

Offenbar scheint man sich nun auch für den Fall zu rüsten, dass sich die Firmen nicht kooperativ zeigen. In einer Stellenausschreibung sucht das FBI Computerexperten, die „Erfahrung bei der Durchführung und/oder der Verwaltung von elektronischen Überwachungsmaßnahmen haben“ und „die die Fähigkeit besitzen, elektronische Überwachungslösungen technisch weiterzuentwickeln“. Die maximale Gehaltshöhe ist mit 136.771 US-Dollar pro Jahr angegeben.

Auswirkungen auf Europa

Aus deutscher und europäischer Sicht sind solche Entwicklungen nicht unproblematisch und kommen zu einer Zeit, in der Datenschützer hierzulande sich vehement gegen die Einführung der Vorratsdatenspeicherung wehren. Ferner ist es aufgrund des Patriot Act deutschen Unternehmen grundsätzlich nicht gestattet, Auftragsdatenverarbeitung in der Cloud an US-Anbieter abzugeben. Der Act ermächtigt US-amerikanische Behörden dazu, jederzeit auf Daten zugreifen können, die von Cloud-Anbietern mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten verarbeitet werden.

Die neuen Entwicklungen tragen nicht dazu bei, das Vertrauen in den US-Datenschutz zu stärken. Vielmehr ist zunehmend Vorsicht geboten, da sich die Aktivitäten eines DCAC auf Jedermann auswirken könnten, der ein Profil bei Facebook hat oder via Skype kommuniziert.

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2 Kommentare

  1. “Domestic Communications Assistance Center” – hört sich ja eigentlich nett an.

    Es wird wohl Zeit für ein deutsches Silicon Valley, um unabhängiger von amerikanischen Angeboten zu werden.

  2. Christoph Strobel am

    Ja, darauf sollte es hinauslaufen. Erste Ansätze haben wir in Berlin oder in Karlsruhe. Gleichzeitig muss alles daran gesetzt werden, den Datenschutz zu stärken und Grundlagen für eine Überwachung zu verhindern, zum Beispiel die Vorratsdatenspeicherung.

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