Danke Klout, wir sind wieder wer im Netz

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Vorstellungsgespräch, die Frage nach dem Klout-Score und am Ende ein Tschüs. So spielen sich mittlerweile Vorstellungsgespräche in der medialen Welt ab. Der Dienst Klout misst dabei deinen Einfluss in den bekanntesten Social-Media-Kanälen wie Twitter, Facebook und GooglePlus. Dabei ist er so transparent wie zehn Meter polnischer Waldweg. Mal ehrlich, seit drei Monaten versuche ich intensiv den Quatsch nachzuvollziehen. Mit dem Ergebnis: alles Quatsch.

Mit zehn Score-Punkten habe ich, wie die meisten Klout-Nutzer, angefangen. Mittlerweile bin ich bei knapp 65 angelangt. Spitzenleute wie mein Freund Stefan Keuchel schaffen es gar auf momentane 74 Score-Punkte. Justin Bieber verfügt über satte 100 von 100 Punkten – aber das lassen wir mal kommentarlos stehen. Ein Scientologe würde wahrscheinlich vom Zustand ”Clean” sprechen. Selbsternannte Social-Media-Manager sind der Meinung, dass ein Wert ab 55 gut sei, sich buchstäblich verkaufen lässt. Und tatsächlich, von einigen Veranstaltern wurde ich auf den Score angesprochen und erst nach seiner Nennung pressetechnisch eingeladen. Das Motto dieser erbärmlichen Figuren dürfte klar definiert sein: hoher Klout-Score = Reichweite. Qualität wird dabei zu einem dehnbaren Begriff. Das ist „scheinbar“ gut.

Häh? Was für ein Schwachsinn. In den letzten drei Monaten glich mein Score-Wert einer Achterbahn. Und doch bleibe ich konstant über 60 – obwohl ich ich mich eher als unterhaltenen Social-Media-Punk beschreibe. Qualität nur in Schlafphasen, Ausnahmen bestätigen nunmal die Regel. Aber muss ich mich dafür entschuldigen? Natürlich nicht. Hin und wieder Qualität durchs Netz jagen ist nicht verkehrt. Doch die Auswirkungen des Scores zeichnen sich schon jetzt ab. Neben den besagten Vorstellungsgesprächen, die zum Glück noch Seltenheitswert besitzen, sind spezielle Klout-Features im Umlauf. So erhält ein Fluggast mit hohem Score-Wert bei einer Fluglinie eher ein Sitzplatz-Upgrade, als beispielsweise der Anfänger mit 15 Punkten. Ein hoher Klout Score gewährt euch beispielsweise Einlass in die Cathay Pacific Lounge in San Franciso. Letzte Woche wurden sogar Schuhe an Klout-Power-User verlost, die viele Wertschätzungen, kurz +K, erhielten – auf Facebook würden wir sie Likes schimpfen. Die Rabatt-Schlacht hat allerdings erst begonnen.

Transparenz gleich Null

Dabei ist die Transparenz gleich null. Ende 2011 änderten die Herren bei Klout einfach mal den Algorithmus und einige der Top-Leute fielen auf Ramsch-Niveau. Die erste digitale Social-Media-Krise könnte man meinen. Nach einigen Stunden wurden die Werte wieder angepasst – was genau passierte, kann allerdings bis heute niemand nachvollziehen. Dasselbe Spiel vor einigen Wochen, ein Kollege machte mich darauf aufmerksam. Mein Wert fiel von einem Tag zum anderen auf die Marke Zehn. Einige Stunden später war ich wieder wer im Netz, 62 Punkte.

Today, we’re pleased to announce several improvements to the Klout score and its platform.

  • Enriched our data sources
  • Re-engineered our data collection and influence signal parsing platform to capture a broader set of key influence signals across an even larger population
  • Improved the quality of our scoring algorithm by both adding new influence inputs and adjusting the importance of inputs for individuals and their influence networks

Erschreckend dabei: Wir müssen uns damit abfinden, dass der Score als eine Art Schufa-Wert den beruflichen Alltag von uns mit taktiert. Wir müssen auch weiterhin damit leben, dass Klout auf Basis von nicht nachvollziehbaren Kriterien eine ”personalisierte” Analyse von unseren sozialen Netzen durchführt. Dabei muss ich nicht einmal beim Dienst angemeldet sein. Welche und wie Daten dabei berührt werden sagt der Dienst nicht. Und mal ehrlich, das ist uns ja so was von scheißegal, mir übrigens auch. Warum? Dank Klout bin ich im Netz wieder wer.

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13 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag, habe schon länger wieder auf eine meinung zum Thema Klout gewartet. Die Frage, die ich mir manchmal stelle, ist, wie ernst man diesen Wert nun ernst nehmen sollte in Zukunft, vorallem wenn man in der Branche arbeiten möchte? Und wenn es wichtig wird, was macht man genau um diesen Wert zu steigern, wenn man im Freundeskreis keinen einzigen hat, der sich für Social media und Ähnliches interessiert? Wird es bald Kloutoptimierungsfirmen geben? Hmm

    • Markus Henkel am

      Kloutoptimierungsfirmen? Auch nicht schlecht. Warum nicht? Solange die werten Herren nicht bemerken, dass es bisher noch nichts Nachvollziehbares gab/gibt, gilt es eher die Glaubwürdigkeit aufzubauen. Diese fehlt gänzlich, oder?

      • Wenn es schon überall manche Vorteile gibt, wenn man einen hohen Kloutwert besitzt, wie du schon meintest, dann ist da schon am Anfang eine Glaubwürdigkeit da, obs auch nur gering.. Gucken wir mal, was weiterhin passiert. Würde allzugerne mal selbst eine Erfahrung haben, zwecks einer Frage zu meinem Kloutwert 😛

  2. Ich halte nicht viel vom Klout Score obwohl meiner gar nicht mal so schlecht ist… Ob einer was drauf hat oder nicht erkennt man nicht am Klout Score sondern an seinen Inhalten auf Twitter, G+ etc. Meine bescheidene Meinung dazu… 🙂

    • Markus Henkel am

      Wie, Stefan, Du setzt auf G+? Mal im ehrlich. Ich denke auch, dass der Score zurzeit noch keine Auswirkungen hat. Doch in wenigen Monaten wird er es vielleicht haben? Ich bin noch recht unsicher, auch weil alles am Dienst so überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Das ist m.E. die größte Problematik.

  3. hi Ebbe,

    die gedanken zu Klout macht man sich vielerorts. ich glaube gerade dein fun-stuff treibt den score hoch. denn was lässt sich denn messen? quantitative zahlen, likes etc. der posts und qualitative zahlen, wie hoch ist der score der leute die mich rten. daher ist fun-stuff mit vielen likes und shares sicher die einfachste weise seinen klout score, aber natürlich auch seinen social graph, edge rank, follower stock und auch seine kreiszahl etc zu verbessern…
    ich bin für business lounges für klout scores über 50! 😉

    • Markus Henkel am

      Business Lounges für Klout Scores über 50 – warum nicht? 🙂

      Bin mal gespannt, wie sich das Ganze entwickeln wird. Zumindest will ich spaßig bleiben – auch ohne Score.

  4. Auch wenn mir persönlich der Score sowas von am Arsch vorbei geht und echt eine Menge Ärsche einen hohen Score haben: Das Thema Influence ist natürlich trotzdem sehr interessant. Kommentare von Personen mit hohem Score können automatisiert freigegeben, Experten identifiziert, Schreib-Talente entdeckt werden und Meinungen bei crowdbasierten Projekten (Ideenmanagement etc) besser gewichtet werden. Aber garantiert nicht mit Klout. Und schon gar nicht, so lange ich als Experte für World of Warcraft gelte, weil ich gelegentlich meine Freude durch ein WOW ausdrücke oder mir eine Verbindung zum Massachusetts Institute of Technology unterstellt wird, weil dessen Abkürzung ein deutsches Wort ergibt. Da mach ich nicht mehr MIT

  5. Pingback: Wie ist Ihr Klout-Score? | KONZEPT4

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