Die Kunst des Weglassens

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Erklärfilme sind das Schweizer Taschenmesser der Onlinekommunikation. Sie vermitteln Fakten, gewinnen Mitstreiter, verbessern den Absatz oder machen Ihre Ideen bekannter. Doch um auch wirklich aufzufallen und in Erinnerung zu bleiben, müssen sie gut gemacht sein. Wie das geht, erfahren Sie hier in 10 schnellen Schritten:

 

  1. Sie haben ein Erklärproblem
  2. Aufmerksamkeit in Zeiten der Reizüberflutung
  3. Wer ist Ihre Zielgruppe?
  4. Das große Bild
  5. „Was hat das Ganze mit mir zu tun?“
  6. Stepping Stones, Analogien und Metaphern
  7. Keine Angst vor Einfachheit
  8. Bilder, die Spaß machen
  9. Überraschen Sie Ihr Publikum
  10. Die Kunst des Weglassens

 

  1. Sie haben ein Erklärproblem

 

Klingt fies, hat heutzutage aber jeder! Die Inhalte werden immer komplexer, die Themen abstrakter und die Produkte und Dienstleitungen zunehmend virtueller. Außerdem hat kaum jemand die Zeit, sich auf Ihr Thema einzulassen. Deswegen überrascht es nicht, dass heute mehr Erklärvideos produziert werden denn je zuvor. Und das ist kein Wunder, denn kaum ein Medium schafft es in so kurzer Zeit einen so effektiven Überblick über ein Thema zu geben, wie ein Erklärfilm.

 

Ist damit also alles in Butter? Nicht ganz:

 

  1. Aufmerksamkeit in Zeiten der Reizüberflutung

 

Der Hype hat aber auch eine Schattenseite: Sie kämpfen gegen eine wahre Flut von Content. Zu viele Videos und zu wenig Zeit. Die erste Aufgabe, die Sie also zu lösen haben, lautet: Die Aufmerksamkeit Ihres Gegenübers zu bekommen. Und Ihr Gegner (das Internet) ist übermächtig, denn er hat Katzenvideos!

 

Sie haben nur eine Chance: Seien Sie einzigartig! Denn nur, wenn Sie auffallen, haben Sie überhaupt eine Chance, Ihre Geschichte zu erzählen. Wenn Ihr Film genauso erzählt ist und aussieht wie alle anderen, geht er unter. Die gute Nachricht ist: Wenn Sie die ersten 10 Sekunden überstehen, haben Sie schon fast gewonnen. Also haben Sie den Mut, anders zu sein.

 

Besonders wichtig ist dabei die Bildebene, denn je mehr Content mobil konsumiert wird, desto weniger sicher können Sie sein, dass die Tonausgabe überhaupt aktiviert ist. In Facebook beispielsweise ist momentan Stand der Dinge, dass Videos automatisch abgespielt werden, aber zuerst ohne Ton. Erst wenn der User klickt, wird die Tonausgabe aktiviert. Bis dahin steht Ihnen nur das Bild zur Verfügung, um Interesse zu wecken.

 

  1. Wer ist Ihre Zielgruppe?

 

Sie müssen Ihre Zielgruppe kennen, um sie effektiv ansprechen zu können. Je genauer, desto besser. Das ermöglicht Ihnen, Bilder, Formulierungen oder Beispiele zu finden, die bei Ihren Zuschauern Anklang finden. Stellen Sie sich Fragen wie: Wieviel Vorwissen kann vorausgesetzt werden? Welchen Bildungsgrad haben die Rezipienten? In welchem Alter ist Ihr Publikum? Wenn Sie bei diesen Fragen im Dunklen stochern, ist eine effektive Ansprache kaum möglich. Einerseits.

 

Andererseits ist jedoch auch klar, dass wir oft einfach nicht so genau wissen, mit wem wir eigentlich sprechen, besonders wenn die Kommunikation online stattfindet. Ist Ihr Produkt für eine große homogene Gruppe von Menschen interessant? Oder soll ein neuer oder geänderter Prozess einer ganzen Abteilung oder sogar Firma erklärt werden? Was Sie dann machen, finden Sie unter Punkt 6.

 

 

  1. Das große Bild

 

Zurück zum Inhalt Ihrer Erklärung: Sie stecken bis zum Hals in Ihrem Projekt. Sie haben sich die letzten Tage, Wochen oder Monate mit zahllosen Details beschäftigt, jedes einzelne davon ist wichtig. Oder?

 

Für Ihr Projekt: Ja. Für Ihre Erklärung: Eher nicht. Alles hängt davon ab, für welches Publikum Sie den Erklärfilm produzieren. Wenn es sich dabei um ein Fachpublikum aus Spezialisten handelt, darf es natürlich etwas kleinteiliger werden. Falls Sie jedoch ein breiteres Publikum gleichermaßen mitnehmen möchten, konzentrieren Sie sich auf das große Bild. Das ermöglicht dem Zuschauer einen leichten Einstieg und nimmt ihn mit, anstatt ihn zu überfordern. Konzentrieren Sie sich auf den Wald, nicht auf die Bäume.

 

 

  1. „Was hat das Ganze mit mir zu tun?“

 

Wir sind egoistische Wesen. Wir sind meistens gestresst, ständig unterwegs und es fällt uns schwer, uns spontan auf etwas einzulassen. Aber genau das erwarten Sie vom Ihrem Publikum, oder?

 

Machen Sie es Ihrem Gegenüber leicht, indem Sie versuchen, seine oder ihre Perspektive einzunehmen. In welcher Situation sieht der Zuschauer Ihren Film? Sitzt Ihr Publikum gestresst bei der Arbeit oder entspannt zuhause auf dem Sofa? Wie genau verändert Ihre Idee, Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung den Alltag der Rezipienten?

 

  1. Stepping Stones, Analogien und Metaphern

 

So unterschiedlich wir Menschen untereinander sind, so gibt es auch Dinge, die wir gemeinsam haben und die jeder kennt. Das können alltägliche Situationen sein, vertraute Bildwelten oder Erfahrungen. Ein Beispiel: Wissen Sie etwas über die Rolle des Luftwiderstandes bei einem Raketenstart? Vermutlich nicht, aber Sie sind ziemlich sicher schon mal auf dem Fahrrad gesessen und haben am eigenen Leib erfahren, wie viel Widerstand Luft leisten kann. Solcher Bilder und Vergleiche lassen sich sehr effektiv nutzen, um komplexe Themen leicht verständlich und emotional erlebbar zu machen.

 

  1. Keine Angst vor Einfachheit

 

Können Sie sich noch an das Gefühl erinnern, in der Schule zu sitzen und nichts zu verstehen? Dann baut man sofort eine Mauer auf, steigt aus und schweift ab. Wir tendieren dazu, andere beeindrucken zu wollen. Dann werfen wir mit Fachbegriffen um uns, um kompetenter zu erscheinen, oder stellen Sachverhalte komplexer dar, als sie in Wirklichkeit sind. Das ist gefährlich, denn es gibt anderen vielleicht das Gefühl, unterlegen zu sein, oder es trifft aus anderen Gründen auf Ablehnung. In jedem Falle lenkt es ab und ist der Verständlichkeit abträglich. Vertrauen Sie der Einfachheit!

 

Und keine Sorge vor Dingen, die Sie für selbstverständlich halten. Es gibt schlimmeres, als einen Satz zu hören, der nochmal wiederholt, was man sowieso schon weiß. Und wenn Sie es schaffen, dass der andere sagt: „Ja, genau das denke ich auch!“, dann haben Sie schon fast gewonnen.

 

  1. Bilder, die Spaß machen

 

Erlauben Sie mir, zu raten: Ihre Idee, Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung ist hochkomplex? Vielleicht auch abstrakt? Oder existiert nur im virtuellen Raum?

 

Wenn Sie nicht gerade eine Anleitung für geschultes Fachpersonal produzieren, dann vergessen Sie technisch akkurate Darstellungen. Warum? Weil die Vereinfachung Verständnis schafft. Ein Beispiel: Um die Umlaufbahnen von Planeten zur Sonne zu erklären, brauchen Sie nicht mehr als ein paar geschickt gewählte Worte und eine Handvoll Kaffeebohnen.

 

Der schöne Nebeneffekt: Auf diese Weise kreieren Sie Bilder, die Spaß machen und überraschen. Sie geben Ihrem Thema eine charmante Leichtigkeit und machen es Ihrem Publikum leicht, Ihnen zu folgen.

 

  1. Überraschen Sie Ihr Publikum

 

Auch wenn Ihre Erklärung noch so verständlich, anschaulich und einzigartig ist: Sie sollten Punkte einbauen, an denen Ihr Gegenüber aufhorcht. Das können Fakten sein, die überraschend platziert sind, oder Bilder, die man so nicht erwartet hätte. Wenn Sie einen Erklärfilm herstellen (lassen), sind die Möglichkeiten sehr vielfältig. Der Überraschungseffekt kann durch Geräusche ausgelöst werden, eine überraschende Animation oder etwas ganz Anderes. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

 

Hört sich vielleicht an wie Schnickschnack, kann aber schlachtentscheidend sein. Denn wer überrascht, der fällt auf und – sie haben’s geahnt – bleibt in Erinnerung.

 

  1. Die Kunst des Weglassens

 

In erster Linie zeichnet sich eine gute Erklärung durch Ihre Kürze aus. Das ist leichter gesagt, als getan, denn zu kürzen ist enorm schwierig. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Bildhauer. Am Anfang steht ein grober Brocken Stein vor Ihnen, den Sie so lange beackern müssen, bis auch wirklich nur noch das übrigbleibt, das Sie unbedingt brauchen. Ihr Leitfaden ist dabei die folgende Frage: Woran soll sich der Zuschauer mindestens erinnern können?

 

Alles, was nicht in ein zweiminütiges Video passt, packen Sie in Zusatzmaterialien, wie PDFs, die Sie per Download zur Verfügung stellen. Diese können viel textlastiger sein, brauchen weniger eindrucksvolles Bildmaterial. Jetzt ist auch die Zeit gekommen, um die ganzen wichtigen Details einfließen zu lassen, denn wer so weit gekommen ist, der ist auch wirklich an der Materie interessiert.

 

Lessons learned:

  • Lernen Sie Ihre Zielgruppe kennen
  • Kommunizieren Sie einzigartig, um Aufmerksamkeit zu bekommen
  • Konzentrieren Sie sich auf das große Bild
  • Analogien und Metaphern helfen, das Thema schnell zugänglich zu machen
  • Beantworten Sie unbedingt die Frage: „Was hat das Ganze mit mir zu tun?“
  • Haben Sie keine Angst vor einfacher Sprache
  • Einzigartige Bilder bleiben lange hängen, echte Emotionen noch länger
  • Bauen Sie regelmäßig überraschende Elemente ein
  • Halten Sie sich kurz

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