Echobot von FAZ und SZ abgemahnt: Was für ein Blödsinn!

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Der Medien-Beobachter Echobot wurde von den Blättern „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) und der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) abgemahnt. Grund: Der Internet-Dienst sammelt Artikelanrisse, so genannte Snippets. Kurze Textauszüge von einer Webseite, angezeigt beispielsweise in der Ergebnisliste einer Suchmaschine. Der Betreiber verteidigt sein Konzept und will dieses notfalls vor Gericht durchboxen. Wir waren mal eben in deren Zentrale.

Jeder der die Suchmaschine nutzt kennt sie, Snippets. Kleine Artikel-Schnipsel mit samt ihren Überschriften. Google macht das seit Jahren und wurde bis heute nicht wirklich angegangen. Das kleine badische Unternehmen Echobot, welches lustiger Weise gleich bei uns um die Ecke angesiedelt ist, zieht sich ebenfalls diese Snippets. Es durchsucht also für seine Kunden veröffentlichte Artikel im Netz, prüft Überschrift und Inhalt und präsentiert dem grundsätzlich zahlenden Kunden dieses, beispielsweise wenn er in einem Artikel genannt wird?

Lösung: blockieren statt abmahnen

Sei es drum. Nach einer Minute Fußweg durchs Treppenhaus klopfte ich an die Tür von Echobot. Der Geschäftsführer Bastian Karweg zeigte mir, bewaffnet mit iPhone und Kaffee, im Schnelldurchgang die Funktionen der Suchmaschine und nach zirka 20 Minuten war ich selbst Kunde. Will heißen: Das Tool ist genial. Selbst die von der Klägerbank als „kritisch“ eingestuften Features sind klasse und verletzen meines Erachtens keinerlei Rechte. Es entstand bei der Vorführungen eine regelrechte Diskussionsrunde, “ warum eigentlich dieser Mist „? Jeder etwas technisch beschlagende Mensch weiß, dass Suchmaschinen mit einer Textdatei blockiert werden können. Inhalte werden dann automatisch nicht mehr der Suchmaschine zugänglich gemacht.

Wir haben die Sachlage bereits vor dem Start des Echobots umfangreich durch rechtliche Gutachten absichern lassen. Jede Rechtsverletzung muss nach herrschender Meinung zudem für jeden Einzelfall nachgewiesen werden. Oft ist es ja sogar so, dass die Verlage die Rechte an den Artikeln gar nicht selbst besitzen, da sie diese von einem freien Journalisten oder einer Nachrichtenagentur eingekauft haben.

Leistungsschutzrecht mehr fraglich als sinnvoll?

Der Unterschied zu Google: In der Praxis zahlen Kunden dafür, dass sie über die Suchmaschine die Texte als Snippet sehen und auf Wunsch nach bestimmten Suchmustern filtern und dementsprechend in einem iFrame angezeigt bekommen. „So kommen die Kunden an Volltexte, ohne selbst von den Web-Angebot mühselige Screenshots machen zu müssen“, erklärt Karweg. Die Volltext-Funktion selbst wird nach eigenen Angaben nicht von Echobot geleistet. Ein US-Anbieter stellt diese Funktion zur Verfügung. Die Karlsruher verlinken lediglich. Diese Funktion prangern die Zeitungen allerdings an. Komisch, denn ich kann jeden Artikel auf deren Seite auch ohne Echobot bearbeiten lassen.

In der kleinen Vorführung fragte ich mich warum eigentlich? Zum einen erscheint die rechtliche Lage eindeutig, zum anderen verkennen die Verlage selbst die Vorteile dieser Suchmaschine. Nutzen zum Beispiel Journalisten Echobot, finden sie Informationen schneller als mit Google. Nach wenigen Suchanfragen und gesetzten Filtern würde es mich daher nicht wundern, wenn Journalisten der klagenden Verlage dieses Tool selbst nutzen würden. Der zweite Klagepunkt, die Nutzung der kleinen verpixelten Logos der Medienmarken, lasse ich kommentarlos und kopfschüttelnd im Netz stehen. Solchen fragwürdigen Geschichten hinsichtlich des Urheberrechts finde ich persönlich zum „kotzen“.

Einer ähnlichen Meinung vertritt der Kollege und Blogger Thomas Knüwer auf seinem Blog Indiskretion Ehrensache an.

Die Verlage werfen dem Dienst einerseits vor, ihre Logos ungerechtfertigterweise zu nutzen – was im Gesamtkontext lächerlich ist. Mit ihrer Klage haben “FAZ” und “Süddeutsche Zeitung” uns einfach klar gesagt: Was sie im Internet veranstalten muss man wirklich nicht lesen.

Das Unternehmen wird die rechtliche Auseinandersetzung hoffentlich durchstehen. Durchblickt (sucht) man die Medienlandschaft, jetzt erst recht via Echobot, liest man viel Zuspruch für das Badener Unternehmen. Blogger und Journalisten wünschen sich diese Auseinandersetzung seit Jahren, auch weil damit endlich eine Richtung in Sachen Leistungsschutzrecht eingeschlagen wird.

Hinweis der Redaktion: Echobot gehört um einige Ecken zum Huber Verlag für Neue Medien GmbH, also zu uns.

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3 Kommentare

  1. Markus Henkel am

    Nun ja, zum einen sind AGB ja nicht bindend. Sie sollen nur eine bestimmte Richtung angeben. Ein Gesetz steht immer drüber.

    Die Snippet-Diskussion wird nun hoffentlich ein Ergebnis präsentiert bekommen, mit welchen alle Beteiligten leben können. Die Verlage selbst werden entweder mitziehen oder als Verlierer dastehen. Warum? Werden diese Snippets verboten, dürfen sie demnach nicht mehr kostenlos eingeblendet werden, würde Google diese aus dem Index werfen. Bezahlen kann Google dafür nicht.

    Der Verlag selbst würde dann allerdings auch aus dem Index fliegen – zumindest das betroffene Angebot. Darum klagt ja auch kein Verlag gegen Google.

    Das Grundsätzliche Prinzip haben die Verlage einfach nicht verstanden – sie wollen halt was vom Kuchen abhaben, ohne Leistung zu erbringen und dem eigentlichen Urheber etwas davon abzugeben. Der schaut bei dem Treiben nämlich in die Röhre.

  2. Pingback: Echobot Whitepaper: Urheberrecht im Internet – eine Orientierungshilfe | MIT

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