Ergonomische Büroeinrichtung in mittelständischen Unternehmen

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Der Begriff „Ergonomie“ setzt sich aus den zwei griechischen Wörtern „ergon“ (Arbeit) und „nomos“ (Regel) zusammen. Daher kann man Ergonomie mit Arbeitsregel oder Regeln des Arbeitens übersetzen. Tatsächlich geht es hierbei um Regeln, wie man den Arbeitsplatz am besten einrichten sollte, um den Körper nicht zu belasten und Ausfällen durch Rückenbeschwerden vorzubeugen.

Der Faktor Zeit

Rückenbedingte Ausfälle sind in der westlichen Wirtschaft beileibe keine Bagatelle. Man schätzt, dass im gesamten EU-Raum knapp 50% aller Fehltage auf Rücken-, Becken-, Schulter- und Nackenbeschwerden oder Verspannungen zurückzuführen sind. Und diese werden wiederum durch mangelhafte Büroeinrichtung in den Unternehmen oder Behörden verursacht. Es mag verwunderlich sein, dass eine Tätigkeit am Schreibtische körperlich genauso gefährlich werden kann wie die Arbeit am Fließband oder an der Baustelle, aber man muss immer den Faktor Zeit mit einplanen: Im Durchschnitt verbringt jeder Erwachsene mehr als 11 Stunden an einem Werktag im Sitzen. Macht in einer Woche also 55 Stunden. Macht in einem Jahr etwa 20.000 Stunden. Bei so viel Zeit können selbst kleinere Fehlhaltungen am Ende genauso gravierend sein wie ein Sturz im Bruchteil einer Sekunde.

Also ist es für Vollzeitarbeitende in Unternehmen wichtig, die Sitzhaltungen möglichst optimal und komfortabel zu gestalten. Das betrifft nicht nur die Stühle, sondern auch die Tische, und wie diese zwei Möbel von der Höhe her zueinander abgestimmt sind. Gerade mittelständische Unternehmer, die dauerhafte Ausfälle von Angestellten weniger gut verkraften werden als große Konzerne, sollten Investitionen in gute ergonomische Büromöbel in Erwägung ziehen. Langfristig rechnet es sich!

Was genau sollte der Unternehmer bei seinen Bürostühlen beachten?

1. Auf jeden Fall sollte auf individuelle Höhenverstellbarkeit geachtet werden, sodass Personen aller Größen einen stabilen Sitz einnehmen können. Die Ober- und Unterschenkel müssen in einem rechten Winkel zueinander stehen können, während die sitzende Person die kompletten Sohlen ihrer Schuhe auf den Boden abstellt.
2. Der gesamte Rücken muss in seiner natürlichen S-Krümmung von der Lehne abgestützt werden. Besonders kritisch ist der untere Bereich, denn wenn dieser nicht durch eine vorgeschobene Wölbung der Lehne gestützt wird, neigt das Becken dazu, viel zu sehr nach hinten zu kippen, wenn sich die Person nach vorne beugt.
3. Ebenso sollte es eine Nackenstütze geben, vor allem um Verspannungen in diesem Bereich vorzubeugen.
4. Der Zahn der Zeit kann auch bei sich ständig wiederholenden Dingen zuschlagen, wie etwa beim mehrfachen Hinsetzen Tag für Tag. Eine gute Polsterung des Sitzes sowie ein Federmechanismus verhindern, dass die Wirbelsäule mit der Zeit gestaucht wird.
5. Ebenso wird eine Wippmechanik für den gesamten Stuhl samt Rückenlehne vorgeschlagen, um dynamisches Sitzen, also ständiges Wechseln der Sitzposition zu unterstützen. Jüngste Forschungsergebnisse belegen, dass es in der Tat besser ist, wenn der Rücken durch ständige Bewegungen wieder und wieder aktiviert wird. Es gibt sogar sogenannte Swopper, Stühle ohne Lehne aber dafür mit extra starker Federung, welche die sitzende Person regelrecht zum dynamischen Sitzen zwingen.
6. Armlehnen sind eher optional und nicht wirklich wichtig, wenn die Arme genauso gut auf den Tisch abgelegt werden können. Aber wenn, dann sollten sie tief genug sein, um bei einer Ablage der Unterarme die Schultern entspannen zu können.

Auch für den Bürotisch sollten Unternehmer auf einige Besonderheiten achten:

1. Soll auf dem Tisch ein Computermonitor stehen? Dann ist auf ausreichenden Abstand des Monitors zu den Augen zu achten, 50 bis 80 cm werden empfohlen. Allgemein sollte ein Arbeitstisch die Maße 80×160 cm haben, auch damit man ausreichend Platz für Bürozubehör und die Arme hat.
2. Die Höhenverstellbarkeit ist ein weiterer Punkt. Der Tisch muss für jede Person tief genug einstellbar sein, damit man erstens die Arme in einem rechten Winkel zueinander beim Tippen ablegen kann, und zweitens die Augen auf einer Höhe mit der obersten Monitorkante sind.
3. Für mittelständische Unternehmen wahrscheinlich zu luxuriös, aber trotzdem empfehlenswert: Automatische höhenverstellbare Schreibtische, bei denen man einstellen kann, wann sie nach oben und wieder nach unten sinken. Auch hier gilt nämlich die Gesundheit der Dynamik, wer bei der Arbeit mal aufsteht, bleibt in Bewegung und sackt nicht zusammen.

Ergonomie bedeutet vieles

Drehstühle und Schreibtische sind beileibe noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, wenn es um Ergonomie im Büro geht. Ebenso muss man auf die Licht- und Lärmverhältnisse achten, die Luftfeuchtigkeit und auch die farbliche Abstimmung der Möbel. Es gibt also viel zu tun für Unternehmer, wenn sie die Firma arbeitnehmerfreundlich gestalten wollen. Gesetzlich sind sie zu deren Schutz allemal verpflichtet.
Da mittelständische Chefs manchmal nicht immer das große Geld für gute Möbel haben und lieber sparen wollen, sollten sie sich vielleicht zuerst an die Kranken- und Rentenkassen wenden. Diese genehmigen unter Umständen eine Kostenerstattung für einzelne ergonomisch gute Möbel in Höhe von mehreren hundert Euro. Einen Versuch ist es sicher wert!

Bild: © Jeanette Dietl – Fotolia.com

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