Erneuerbare Energien: Grüngut als real green energy nutzen

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Jedes Jahr fallen allein hierzulande rund 100 Millionen Tonnen an Bioreststoffen und Landschaftspflegematerial an. Üblicherweise werden Gras, Laub und Gewässergrün kompostiert und auf landwirtschaftliche Flächen aufgebracht. Die Idee des Münchener Garten- und Landschaftsbau-Unternehmers Hans Werner, aus dieser Biomasse regenerative Brennstoffe zu machen, ist daher so genial wie überzeugend.

Lässt sich tatsächlich aus frischem, feuchtem Gras hochwertiges, ökologisches Brenngut erzeugen? Ja, denn wie sich inzwischen belegen lässt, gelingt es mithilfe des in den letzten Jahren entwickelten so genannten florafuel-Verfahrens, Grüngut zu real green energy in Form von Pellets und Briketts zu verarbeiten. Für die Aufbereitung der feuchten Biomasse an die verschiedenen Biomassetypen wurde die Anlagentechnik sukzessive entwickelt, erprobt angepasst und aufeinander abgestimmt. Die einzelnen Aufbereitungsschritte wurden Schritt für Schritt entwickelt, zum Teil neu entworfen und gebaut, in das Verfahren integriert, bis die Verfahrenskette in der Lage war, die Biomasse zu hochwertigen Energieträgern in Form von Pellets und Briketts aufzubereiten.

Immenses Potenzial

Zunächst wird das Grüngut grob sortiert. Dann wird es im Verfahrensablauf vorzerkleinert und gewaschen, um Steine, Erde, Plastik und Metalle abzusondern. Dadurch wird auch der Aschegehalt gering gehalten. Nach zwei Trocknungsdurchläufen bleiben von einer Tonne Frischgras ca. 200 kg Trockensubstanz, die verdichtet als Brennstoff genutzt werden kann.

Nach Abzug des Energiebetrags, der für die Aufbereitung notwendig ist, liegt der Energiegewinn laut Hans Werner bei 3,58 kWh je Kilogramm Biomasse (Gras). Aus einer Tonne Frischgras werden somit 620 kWh Energie gewonnen. Zum Vergleich: Dieser Energiegewinn liegt um 15 Prozent höher als bei einer Biogasanlage, wenn diese die vollständig anfallende Abwärme nutzt. Wird die Abwärme beim Vergärungsprozess keiner Nutzung zugeführt, liegt die Energiebereitstellung durch die Aufbereitung nach dem florafuel-Verfahren sogar um das 3,4-Fache höher.

Kommunen profitieren

Neben Landwirtschaftsbetrieben können vor allem Städte und Kommunen Nutznießer dieser florafuel-Anlagen sein, da sie sich auf diese Weise regional vorhandene, bislang ungenutzte regenerative Energieressourcen erschließen und ihren Energiemix auf breitere sowie unabhängigere Beine stellen können. Da die Verbrennung bzw. Vergasung dieser Brennstoffe dezentral erfolgt und diese grund- sowie spitzenlastfähig sind, lässt sich vor Ort zu jeder Zeit genau die Energie in Form von Strom und Wärme bereitstellen, die benötigt wird. Zudem sinken durch die Biomasse-Nutzung für die Energieerzeugung die Entsorgungskosten in der kommunalen Landschaftspflege. Ein weiterer Vorteil ist es, dass die mithilfe des florafuel-Verfahrens hergestellten Brennstoffe, anders als andere Formen der Bioenergie-Erzeugung, nicht in Konkurrenz zur agrarwirtschaftlichen Futter- und Nahrungsmittelproduktion stehen.

Aktuelles Forschungsprojekt

Derzeit untersucht ein Forschungsprojekt des Bundesumweltministeriums, wie sich beim florafuel-Verfahren eine definierte Brennstoffqualität unabhängig von der Herkunft der Biomasse garantieren lässt. Ein weiteres Hauptziel des Projekts ist es, ein Brennstoffdesign sowie ein übertragbares Gesamtkonzept für Kommunen, Industrie- und Entsorgungsunternehmen oder Agrargenossenschaften zu erarbeiten. Auch die Tatsache, dass die derart erzeugte Energie bedarfsgerecht bereitgestellt werden und die schwankend verfügbare Wind- und Solarenergie ausgleichen kann, soll dieses innovative Energiekonzept zu einem wichtigen Baustein im Ausbau erneuerbarer Energien machen.

www.florafuel.de

Dr. Swantje M. Schlederer

Dr. Swantje Mignon Schlederer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik an der Universität der Bundeswehr München. Sie habilitiert derzeit und berät als Forschungs- und Projektpartnerin Unternehmen bei der Entwicklung innovativer Produkte in den Bereichen Abfallwirtschaft, Bioenergie und Hydrologie.

Bild: Dr. Swantje M. Schlederer

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