Für Smartphone und Handy: Romandebut im Spezialformat

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E-Books für E-Reader gibt es ja schon wie Sand am Meer. Und auch Handybücher, die eigens für die Nutzung auf dem Smartphone gedacht sind, existieren ebenfalls bereits, erinnern aber meist eher an gequetschte Buchformate. Gott sei Dank gibt es  experimentierfreudige Schriftsteller wie Nina Eins. Die Autorin hat jetzt eine Romanreihe ins Leben gerufen, die sich vom Format her dem kleinen Display anpasst und die man sich für wenig Geld auf das Smartphone bzw. Handy herunterladen kann. Sicher keine Literatur von Weltformat, dafür aber ungemein spannendes Lesefutter. Die Idee dürfte Schule machen

Nina Eins hatte eine geniale Idee: Die studierte Kunsthistorikerin schuf eine Romanwelt namens „Nebenraum“ in der es um das Leben nach dem Tod geht und die man auf dem Smartphone bzw. Handy lesen kann. Nun gut, werden Sie sagen, das allein ist jetzt nicht wirklich revolutionär, Handybücher gibt es ja nicht erst seit heute. Stimmt, entgegne ich da. Aber wussten Sie, dass diese Romane speziell für das lesen auf dem Smartphone/ Handy konzipiert sind und daher von der Anmutung her nicht wie bei den Handybüchern einem zusammengedrücktem Buchstabenallerlei ähneln, sondern selbst auf kleinem Display wunderbar zu lesen sind? Ha, und schon habe ich Ihnen den Wind aus den Segeln genommen, denn dieses Konzept ist wirklich genial, weil formal und inhaltlich bislang einzigartig auf der Welt. Und es dürfte langfristig funktionieren, also seine Anhänger- bzw. Leserschaft finden. So denke ich jedenfalls, denn das leichte Smartphone hat man immer dabei, den dicken schweren Wälzer oder den E-Reader dagegen nicht.

Reduktion lautet denn auch Nina Eins‘ Motto in stilistischer Hinsicht: Die Romane sind in einem zackig-treibenden Stil geschrieben mit viel direkter Sprache und ohne großes „Drumherum“. Vielen Rezensenten zufolge macht das süchtig und lässt den Leser „Nebenraum“ in einem Zug durchlesen. Ich wollte wissen, ob das stimmt und habe den Selbstversuch gewagt. Mein Fazit nach den ersten paar Seiten Leseprobe: „Nebenraum“ ist spannende Lektüre für zwischendurch, dank der speziellen Schreibe entfaltet sich tatsächlich so etwas wie ein Sog, ähnlich wie im Roman „Gut gegen Nordwind“, der ebenfalls von kurzen Sätzen in direkter Rede lebt. Man hat das Bedürfnis, immer weiterzulesen, will wissen, wie es weitergeht. Das gilt auch für eine wie mich, die eigentlich gar nicht auf Paranormales oder Fantasygeschichten steht. Aber „Nebenraum“ ist irgendwie anders und lässt sich gar nicht in eine Schublade stecken.

Dennoch – so muss man ehrlich sagen – dürfte der Roman wohl hauptsächlich junge Mädels begeistern, die sich vermutlich eher mit der Hauptprotagonistin Hanna identifizieren, die nach einem tödlichen Unfall im „Nebenraum“ ihr zweites Leben beginnt, als Männer um die 50. Aber für die ist das Buch laut Autorin Eins auch gar nicht gedacht. Ganz bewusst richtet es sich an die junge Generation, will für wenig Geld mobil unterhalten und dabei trotzdem durch Qualität überzeugen.

Warum ich dennoch im MIT-Blog darüber schreibe, wenn es doch für die Jüngeren gedacht ist? Nun, aus dem einfachen Grund: Das Konzept „Roman auf dem Smartphone“, so denke ich, dürfte in dieser Form Schule machen. Es werden sich andere ambitionierte Autoren finden, die in einem ähnlich reduzierten, doch qualitativ hochwertigen Schreibstil auch die Leser anderer Genres, anderer Altersklassen erreichen. Ich könnte mir vorstellen, dass hier – ähnlich wie bei E-Books – viel Potenzial schlummert.

Für Ihr Debut jedenfalls wünsche ich Nina Eins jedenfalls viel Erfolg und eine große Fangemeinde!

Mehr Infos unter: http://www.myhandybook.de/

Bild: Nina Eins

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1 Kommentar

  1. Nicole Novotny am

    Hallo Nuna, ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass diese Romanform ein Anreiz sein könnte, sich auch mal an größere, gedruckte Werke heranzuwagen. Es gibt ja viele Wege, sich der Literatur anzunähern.

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