Glaubwürdigkeit, ein „echter, für Unternehmen durchaus monetärer Gewinn“

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Gestern trat Bundespräsident Gauck auf dem Führungstreffen der Süddeutschen Zeitung in Berlin vor die deutsche Wirtschaftselite. Ganz direkt brachte er dabei seine Kritik an den Führungskräften vor: Das, was einen anständigen Kaufmann ausmache, sei bei vielen in Vergessenheit geraten.

Bundespräsident Gauck ist für seine klaren Worte bekannt. Als ehemaliger Pastor und Ex-Chef der Stasi-Unterlagenbehörde redet er nicht lange um den heißen Brei herum. Das wurde auch gestern bei seiner Rede  auf dem SZ-Führungstreffen in Berlin deutlich. Vor versammelter Führungsmannschaft der deutschen Wirtschaftselite ließ er mal so richtig Dampf ab, monierte die um sich greifende Verantwortungslosigkeit und Maßlosigkeit in allen Bereichen, die zur Finanzkrise geführt hätten.

Nur allzu deutlich wurde dabei, dass ihm die abstrahierenden Schuldzuweisungen, wer die Krise denn nun verursacht hat, zuwider sind. In seinen Augen erscheint es mehr als fragwürdig, einfach die Politik, die Globalisierung oder den Kapitalismus dafür verantwortlich zu machen und sich dabei von jeder Verantwortung loszusagen: „Eher selten sind es die Führungskräfte aus Wirtschaft oder Politik, die bekennen: ‚Ich habe einen Fehler gemacht.'“

„Ein neuer Umgang mit Fehlern“, so Gauck, stünde den Deutschen gut zu Gesicht. Schließlich gehöre es zu Führung, Größe und Glaubwürdigkeit einfach dazu, Fehler zu erkennen und auch beim Namen zu nennen. Weniger als Scheitern sollten sie begriffen werden denn als „wertvolle Erfahrung, die beim Neubeginn hilft“.

Trotz aller Kritik will Gauck nicht auf Wettbewerb und Wachstum verzichten. Entscheidend aber sei, „dass wir die Regeln finden, die falsche Praktiken verhindern und fairen Wettbewerb ermöglichen“. Regeln gehen auch einher mit Grenzen – daher klingt diese Forderung aus dem Mund des Freiheitsverfechters Gauck etwas ungewohnt. Doch auch er scheint erkannt zu haben, dass es ohne Grenzen nicht geht, dass ohne Grenzen zugunsten schwarzer Zahlen gerne schnell mal die rote Linie überschritten wird.

Ökonomisch gesehen ist diese Sichtweise mehr als klug. Denn wer sich an die Regeln hält, genießt automatisch auch Glaubwürdigkeit bei Kunden, Verbrauchern und Geschäftspartnern, und das sei ein „echter, für Unternehmen durchaus monetärer Gewinn“, so Gauck.

Via: Süddeutsche Zeitung

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