Hätte GM Shanghai die Rückrufaktion mit “Supply Chain Rückverfolgbarkeit” reduzieren können?

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Shanghai GM (SGM) kündigte am 10. Juni 2013 an, 208.000 Fahrzeuge wegen möglicher Undichtigkeiten des Bremssystems zurückzurufen. Auch wenn nichts darüber erwähnt wird, wurden die problematischen Komponenten wahrscheinlich von einem Zulieferer und nicht direkt von SGM produziert. Es stellt sich die Frage: Hätte zumindest der Umfang der Rückrufaktion durch Einsatz eines Manufacturing Execution System, welches eine volle Rückverfolgbarkeit des Fertigungsprozesses ermöglicht, reduziert werden können?

Shanghai General Motors Company Ltd ist ein Joint Venture von General Motors Company und SAIC Motor, einem chinesischen Fertigungsbetrieb unter staatlicher Kontrolle mit Hauptsitz in Shanghai. Laut einer Pressemitteilung vom 10. Juni 2013 wird Shanghai GM ab dem 15. Juni ca. 208.000 in China gefertigte Buick LaCrosse Fahrzeuge wegen möglicher Undichtigkeiten in der Bremsanlage zurückrufen. Es sind Fahrzeuge betroffen, die im Zeitraum von Januar 2006 bis September 2009 gefertigt wurden.

Wikipedia bezieht sich auf die von Shanghai GM insgesamt pro Jahr gefertigten Fahrzeuge, und schätzt den Gesamtumfang auf ca. 2 Millionen gefertigte Einheiten. Es sind somit ca. 10,8% aller in diesem Zeitraum gefertigten Fahrzeuge betroffen! Scheint der direkte finanzielle Schaden verkraftbar, ist der Imageschaden hingegen enorm. Es ist anzunehmen, dass der Zulieferer der Bremsen den überwiegenden Teil des Schadens wird tragen müssen, was ihn möglicherweise in den Bankrott treibt.

OEM’s leben in einem Ökosystem, in dem Zulieferer Einzelteile fertigen, die mit teilweise hohen Beständen in Zwischenlagern direkt beim Fahrzeughersteller bereit stehen müssen. Dies erlaubt zwar eine Optimierung der Supply Chain einer Just-in-time (JIT) Fertigung. Für den Zulieferer bedeutet dies jedoch enorme Kosten, eine hohe Verantwortung für eine zeitgerechte Lieferung und das Erfüllen hoher Qualitätsansprüche.
Und inzwischen kommt noch eine weitere Last hinzu: Rückverfolgbarkeit (Traceability).

Mathew Littlefield veröffentlichte am 10. Juni im LNS Research’s blog einen Artikel mit dem Titel “Why Automotive Should Bet on Global Traceability and Containment”, in dem er sich auf die Rückrufaktion von Nissan, Honda, und Toyota bezieht. Es waren 3,4 Millionen Fahrzeuge wegen möglicher Defekte bei Airbags, die Feuer fangen konnten, betroffen. Mathew Littlefield schlug folgende Lösung vor: “Enabling Communication and Collaboration Across the Value Chain” auf Basis von Business Process Management (BPM).

Trotz seiner Empfehlung, dass die Fahrzeughersteller für eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Produkt-Lieferkette sorgen sollten, meinen wir dass die Zeit reif dafür ist, dass die Zulieferer selber beginnen, Ihre Risiken durch Einsatz von Manufacturing Execution Systems / Manufacturing Operations Management (MES / MOM) Lösungen zu reduzieren. Sie sollten umgehend überprüfen, wie ihre hohen Geschäftsrisiken minimiert werden können, anstatt auf zentralisierte Systeme der Fahrzeughersteller zu warten, die einen hohen Anpassungsaufwand erfordern werden.

Um auf den aktuellen Fall Shanghai GM wieder aufzugreifen: Es ist offensichtlich, dass das ursächliche Problem im Nachhinein identifiziert werden konnte, und entweder an Ausgangsmaterialien, einem Fertigungs-Prozess oder einer Fertigungsanlage lag, welche für genau das betroffene Fahrzeugmodell im Zeitraum zwischen Januar 2006 und September 2009 genutzt wurden.

Da aber ausnahmslos alle in diesem Zeitraum gefertigten Fahrzeuge dieses Modells wegen “möglicher” Lecks im Bremssystem zurückgerufen werden, liegt die Vermutung nahe, dass eine Identifikation der betroffenen Bremsenteile und damit eine mögliche drastische Reduzierung der Anzahl rückgerufener Fahrzeuge nicht mehr möglich ist.

Wahrscheinliche Ursache: die defekten Bauteile konnten nicht eindeutig verfolgt und ausfindig gemacht werden. Der Einsatz eines Manufacturing Execution Systems (MES) hätte das ermöglicht…

Lesen Sie diesen und weitere Blog Einträge hier.

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