„Hört auf zu arbeiten!“                                                                

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„Hört auf zu arbeiten!“ – mit diesem Titel des neuen Buches von Anja Förster und Peter Kreuz möchten die Autoren aufrütteln. Jedoch ist das Buch keine Anleitung für Kündigungsschreiben, sondern möchte ein Umdenken in der Arbeitswelt erzielen. Wie genau das aussieht verrät uns die Autorin Anja Förster in einem Interview.

Wer Ihr Buch liest, fühlt sich inspiriert und möchte gerne wieder selbstbestimmter durchs Leben gehen. Was hat Sie zu diesem Buch motiviert?
Eine sehr ernüchternde Beobachtung, die wir immer wieder im Arbeitsalltag gemacht haben: Viele Menschen schleichen wie Zombies zur Arbeit und der Höhepunkt ihres Tages ist die Vorfreude auf den Feierabend oder das nahende Wochenende. Das ist doch Wahnsinn! Mit unserem Buch wollen wir zeigen, dass es auch anders geht und Menschen dazu anstiften, ihre Arbeit als lebenswerten Teil ihrer Identität zurückzuerobern.

„Hört auf zu arbeiten!“ - Interview mit Autorin Anja Förster

„Hört auf zu arbeiten!“ – Interview mit Autorin Anja Förster

Im Titel heisst es: Hört auf zu arbeiten! Aber das meinen Sie nicht. Sie meinen nicht, man solle seinen Job an den Nagel hängen und kündigen. Sondern?
Arbeit hat in Deutschland kein gutes Image. Für viele Menschen bedeutet es ein notwendiges Übel und damit ein Raub von Lebensqualität. Und weil viele glauben, dass daran nichts zu ändern ist, lassen sie sich auf ein Tauschgeschäft ein: Arbeitskraft gegen Geld. Aber wenn das der Deal ist, dann ist es widersinnig, seine mangelnde Freiheit zu beklagen. „Hört auf zu arbeiten“ bedeutet: Nehmt Eure Freiheit an, hört auf zu jammern und verändert etwas zum Besseren.

Wie könnte diese Veränderung aussehen?
Alles beginnt mit der Erkenntnis, dass der alte Tauschhandel “Arbeitsplatzsicherheit gegen Dienstbarkeit“ nicht mehr länger gilt. Heute genießen Menschen kein automatisches Bleiberecht bis zum Erreichen der Pensionsgrenze, nur weil sie gegen Bezahlung dienstbeflissen ihre Aufgaben verrichten. Arbeitsplatzsicherheit wird heute zum Tageskurs gehandelt. Ich bin nicht deshalb automatisch ein guter Mitarbeiter, weil ich die Anordnungen des Chefs ohne Murren umsetze und die mir übertragenen Aufgaben pünktlich, zuverlässig und ordentlich erledige.

Was braucht es stattdessen?
Menschen, die nicht nur sorgfältig und zuverlässig arbeiten, sondern auch gut ausgebildet sind, findet man heute überall auf der Welt. Das ist kein Privileg der entwickelten Volkswirtschaften in Europa. Und deshalb ist es so wichtig zu verstehen, dass drei Eigenschaften den Unterschied machen – für mich selbst und für das Unternehmen: Eigeninitiative, Kreativität und eine Portion Leidenschaft für meine Aufgabe. Statt „Business as usual“ geht es darum, mit außergewöhnlichen Ideen und Tatkraft Projekte voranzutreiben und als i-Tüpfelchen auf allem: die Leidenschaft.

Wie lautet also Ihr Credo?
Der Schlüssel liegt darin, sein Element zu finden, also den gemeinsamen Nenner zwischen den Dingen, die wir lieben und den Dingen, die wir gut können. Ohne das funktioniert Leidenschaft nicht!

Wenn ich Sie richtig verstehe, geht es Ihnen auch darum, das Management in den Betrieben aufzurütteln, die Eigenverantwortung der Mitarbeiter zu stärken?
Das traditionelle Management, das auf hierarchische Arbeitsteilung, Standardisierung und Kontrolle baut, ist sehr gut geeignet, bestehende Märkte optimal auszuschöpfen. Um aber neue Quellen für zukünftiges Wachstum und Gewinne zu erschließen, ist es vollkommen ungeeignet.

Warum?
Neues zu schaffen, erfordert ein kreatives Abweichen von Routinen – ein Denken und Handeln jenseits des Handbuchs. Und genau hier zeigt sich der ganze Wahnsinn. Wir wissen, dass wir das Gewicht mehr in Richtung Erkennen und Nutzen neuer Chancen verschieben müssen, um auch morgen noch im Markt relevant zu sein. Aber das funktioniert nur in einem Umfeld, das den Menschen ein hohes Mass an Selbstbestimmung und Freiraum bietet.

Und diesen Führungsstil trifft man Ihrer Meinung nach selten an?
In der Praxis wird immer noch viel zu häufig das Hohelied der Fremdbestimmung und Kontrolle gesungen und ein disziplinierender Managementstil gelebt. Reglementieren, Hierarchisieren und Einschränken von Freiheiten sind ganz normal. Aber wer Zäune um Menschen baut, bekommt Schafe.

Stehen nicht hinter dem Management Aufsichtsräte, Banken und andere Stakeholder, die eben das erwarten und alles kontrollierbar bzw. messbar machen wollen?
Das Messbarmachen ist nicht das eigentliche Problem. Das Problem ist die weitverbreitete Zahlenhörigkeit. Zahlen vermitteln das gute Gefühl von Sicherheit, was natürlich ziemlich naiv ist. Aber tatsächlich glauben viele Menschen – und nicht nur die Controller – dass sie nur ein in Wahrheit unsicheres Wissen fleißig auf Charts und Power-Point-Präsentationen ziehen müssen und dann darauf hoffen können, dass alles vorausberechnet werden könnte und kontrollierbar wäre. Aber das ist eine llusion.

Nähere Infos und Kontaktdaten unter www.foerster-kreuz.com

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