Interview mit Jurymitglied des INNOVATIONSPREIS-IT 2017 Prof. Dr. Nils Urbach, Universität Bayreuth

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1. Sie sind Mitglied in der Fachjury des INNOVATIONSPREIS-IT 2017. Was zeichnet Sie dafür besonders aus?

Aufgrund meiner Tätigkeit als Professor für Wirtschaftsinformatik und Strategisches IT-Management an der Universität Bayreuth sowie als stellvertretender Wissenschaftlicher Leiter der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) beschäftige ich mich bereits seit einigen Jahren sehr intensiv mit Innovationen im IT-Bereich. Durch die enge Verzahnung von Forschung und Praxis ist es unserer Projektgruppe Wirtschaftsinformatik möglich, praxisrelevante Fragestellungen durch fundierte Forschung zu analysieren und zu beantworten, wodurch wir einen Mehrwert sowohl für die Praxis als auch für die Forschung liefern. Die Ergebnisse aus unseren angewandten Forschungsprojekten fließen wiederum in meine Lehrtätigkeiten an den Universitäten in Bayreuth und Augsburg ein, sodass den Studierenden die theoretischen Grundlagen an realen Beispielen veranschaulicht werden können.

2. Was bedeutet für Sie „Innovation“?

Innovation ist für mich ein weit gefasster Begriff. Innovationen können inkrementelle Produkterweiterungen aber auch radikale Veränderungen von Geschäftsmodellen, die ganze Branchen neu ordnen, darstellen. Gerade die Digitalisierung und die voranschreitende Technisierung des täglichen Lebens bieten große Räume für IT-getriebene Innovationen und neue digitale Geschäftsmodelle. Ermöglicht werden IT-getriebene Innovationen dadurch, dass die Umsetzung von neuen vielversprechenden Ideen zu marktfähigen Lösungen immer einfacher und schneller wird. Dabei spielt die immer stärker werdende Gründungskultur eine große Rolle. Zum einen steigt die Anzahl an gründungswilligen Personen, und zum anderen setzen Unternehmen und Privatpersonen immer neue Inkubatoren und Venture-Capital-Gesellschaften auf, die es Gründern ermöglichen ihre Ideen in innovative Produkt- und Dienstleistungsangebote umzusetzen.

3. Welche Voraussetzungen sollte eine Lösung oder ein Unternehmen erfüllen, um dauerhaft zu den Vorreitern der Industrie zu gehören?

Damit Unternehmen dauerhaft zur Leading-Edge ihrer Branche gehören, müssen sie innovative Lösungen anbieten, die auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse angepasst sind. Dazu bedarf es einer gewissen unternehmerischen Flexibilität, um auf die sich schnell ändernden Marktgegebenheiten reagieren zu können sowie der Inkaufnahme von Risiken, die jede Entwicklung von Innovationen mit sich bringt. Zudem kann sich kein etabliertes Unternehmen erlauben, sich auf seinem aktuellen Erfolg auszuruhen, da neben den etablierten Wettbewerbern auch immer neue Start-ups in bestehende Märkte mit innovativen Produkten und Geschäftsmodellen eindringen. Start-ups bieten für etablierte Unternehmen jedoch auch neue Möglichkeiten zur Kooperation und dadurch zur Erweiterung ihrer klassischen Produkte.

4. Welche Rolle spielt „Innovation“ Ihrer Meinung nach für den Mittelstand?

Der deutsche Mittelstand ist im internationalen Vergleich überdurchschnittlich erfolgreich. Allerdings verlassen sich deutsche mittelständische Unternehmen häufig auf ihre traditionellen Erfolgsfaktoren wie hochqualifiziertes Personal, sehr hohe Qualität der Produkte und langfristige Kundenbeziehungen. Der deutsche Mittelstand muss sich jedoch auch an die neuen Herausforderungen der Digitalisierung anpassen und die Chancen der Digitalisierung nutzen, um auch langfristig weiter erfolgreich zu sein. Auch für den Mittelstand gilt, dass die Digitalisierung ein großes Innovationspotential in sich trägt, das durch die richtigen Maßnahmen von mittelständischen Unternehmen gehoben werden kann, sodass daraus innovative Marktlösungen generiert werden können. Grundlage sind maßgeschneiderte Digitalstrategien, die mittelständischen Unternehmen helfen, individuell solche Innovationen zu identifizieren, die für sie gewinnbringend sind. Wie auch bei etablierten großen Konzernen können Mittelständlern ihre Innovationskraft dadurch erhöhen, dass sie mit kreativen und innovativen Start-ups kooperieren und sich dadurch neue Ideen einkaufen.

5. Was ist aus Ihrer Sicht der Trend, der in den nächsten Jahren den ITK-Bereich und mittelständische Unternehmen am meisten beeinflussen wird?

Ein Thema, dass bei allen mittelständischen Unternehmen sicherlich noch weiter an Bedeutung gewinnen wird, ist der Bereich Big Data Analytics sowie der gesamte Themenbereich des Internets der Dinge. Neben diesen Bereichen muss die Frage allerdings differenziert betrachtet werden. Beispielsweise bieten die Themen Industrie 4.0, Machine Learning und der Einsatz von Smart Mobile Devices großes Potential für den produzierenden Mittelstand, wohingegen die Themen Blockchain und Mobile Payment eher bei Großunternehmen an Bedeutung gewinnen werden. Da alle genannten Themenbereich Daten als Ausgangsbasis haben und Daten verarbeiten, werden auch weiterhin die Themenbereiche Datensicherheit und Datenschutz für mittelständische Unternehmen an Relevanz gewinnen. Alles in allem muss der deutsche Mittelstand seine Innovationskraft kontinuierlich weiter ausbauen, um auch zukünftig der Motor der deutschen Wirtschaft zu sein.

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