Locafox bringt lokale Einzelhändler ins Internet

1

Das Einzelhändlersterben in deutschen Innenstädten scheint unaufhörlich voranzuschreiten: Immer mehr stationäre Einzelhändler schließen wegen fehlender Kundschaft ihre Läden, während sich der Online-Handel über stetig steigenden Kunden- und Umsatzzuwachs freut. Viele lokale Händler sind dazu getrieben, neue Wege zu gehen, um im digitalen Shopping-Zeitalter auch in Zukunft bestehen zu können. Das Berliner Start-up Locafox hat einen Marktplatz entwickelt, der die Vorteile aus Online- und Offlinewelt miteinander verbindet – mit dem Ziel, wieder mehr Kunden ins stationäre Geschäft zu führen.

Der Internet-Handel boomt – immer mehr Kunden haben in den vergangenen Jahren das Angebot des Online-Shoppings für sich entdeckt: Zahlen des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels zufolge konnte der Online-Handel in Deutschland 2013 einen Umsatz von knapp 40 Milliarden Euro erwirtschaften. Das bedeutet ein Plus von 44,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2020 werde der Online-Umsatzanteil am Einzelhandel bei zwischen zehn und 22 Prozent liegen, prognostiziert das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) in der aktuellen Studie „Handelsszenario 2020“. Während der Online-Handel begeistert in die Hände klatscht und sich über den steigenden Umsatz freut, müssen immer mehr stationäre Einzelhändler aus dem Nonfood-Bereich ihre Läden schließen; die Konkurrenz aus dem Internet scheint zu mächtig, zu wenig scheint es dem entgegensetzen zu geben. Die Kundschaft bleibt aus und bestellt lieber gemütlich von zu Hause aus.
Doch so hoffnungslos wie es klingt, ist es nicht: Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und Google informieren sich rund 38 Prozent der deutschen Verbraucher zunächst zwar online über ein Produkt, gekauft wird anschließend jedoch offline – in einem Geschäft in der Nähe. Diese Vorgehensweise, auch bekannt unter dem Kürzel ROPO (Research Online, Purchase Offline), stellt ein riesiges Potential für den Einzelhandel vor Ort dar.

Handel im Umbruch: Multichannel-Strategien sind gefragt

So befindet sich der Handel derzeit im Wandel: Dabei geht es vor allem darum, das lokale Geschäft mit neuen Ideen und Konzepten zu digitalisieren und für den online-affinen Kunden attraktiv zu machen, um ihn wieder in die Läden zu locken. Dies kann zum Beispiel u. a. mit Hilfe von Click&Collect-Modellen, QR-Codes und einer Internetpräsenz sowie dem Aufbau einer Community bei Facebook, Twitter, Pinterest und Co. geschehen. „Natürlich haben die meisten stationären Händler nicht die Mittel, (…) tiefgehende Inhalte im Internet bereitzustellen. Doch sollte man wenigstens in Kernbereichen seines Sortiments Informationen anbieten, die über den Durchschnitt hinausgehen“, schreibt Matthias Hell von Location Insider in einem Beitrag zum Thema ROPO. Denn geshoppt wird heute weder ausschließlich im Internet noch offline im stationären Handel – beide Varianten werden vom Kunden abwechselnd und je nach Bedarf genutzt. Mal wird im lokalen Geschäft gekauft und mal im Internet. Eine weitere Strategie sei es laut Hell, sein Produktangebot im Netz dort sichtbar zu machen, wo Kunden nach entsprechenden Informationen suchen – bei den Suchmaschinen, etwa mit Google-Shopping.

Locafox: Online finden, offline kaufen

Locafox, ein junges Start-up Berlin, hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Laufkundschaft zurück in den stationären Handel zu bringen und einen Marktplatz entwickelt, der die Online- und Offlinewelt miteinander vereint: Konsumenten finden auf Locafox Produkte, die sie anschließend bei einem Händler um die Ecke kaufen können. Die Plattform bietet die Daten zum Produktsortiment der stationären Händler, wie Verfügbarkeit und Preise, in Echtzeit an. Das ermöglicht dem Kunden, sich über ein gesuchtes Produkt zu informieren, es in einem Geschäft in seiner Nähe zu finden und über die Seite von Locafox zu reservieren. Gekauft wird vor Ort im Laden. Später ist auch Same-Day-Delivery möglich – Kunden können sich ihre Produkte noch am gleichen Tag und zu einer Wunschuhrzeit liefern lassen.

Locafox wurde im Juni 2013 von Karl Josef Seilern (CEO), Michael Wendt (CPO), Lukas Zels (CFO), Rob Morgan (CTO) und Fabian Friede (CMO) gegründet und wird finanziell von Holtzbrinck Ventures unterstützt. „Unsere Vision ist es, einen Service zu entwickeln, den jeder Verbraucher nutzen kann, um alles zu finden, was er kaufen möchte“, beschreibt Fabian Friede die Idee. Usern steht Locafox kostenlos und ohne Registrierung frei zur Verfügung. Für Einzelhändler ist die Einbindung auf den Marktplatz ebenso mit keinerlei Kosten verbunden; als Minimalanforderung wird nur ein Warenwirtschaftssystem benötigt, in dem die Bestände der Waren tagesaktuell erfasst sind. Abgerechnet wird dann auf Kommissionsbasis, wenn ein Kunde über Locafox in den Laden geführt wurde.

ROPO-Effekt spült neue Kunden in die Geschäfte

Der stationäre Handel habe enorme Stärken gegenüber dem E-Commerce und bleibe nicht zuletzt auch für spontane Shopping-Erlebnisse unerlässlich, sind sich auch die Experten des IFH Köln einig. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand: Neben der kompetenten Beratung vor Ort ist es besonders die sofortige Produktverfügbarkeit, die für die Kunden ausschlaggebend ist, lokal einzukaufen. Daneben schafft das Einkaufen bei einem stationären Einzelhändler durch eine kompetente Beratung, aufmerksame Betreuung und einen guten Service Vertrauen – Vertrauen, das das Internet wegen der unpersönlichen Kommunikation so bisher nur ganz selten bieten kann.

Stationärhändler müssen sich jedoch im Klaren darüber sein, dass Kunden heutzutage einfach deutlich belesener sind als zuvor – sie haben sich im Vorfeld im Internet über Produkte informiert, die sie kaufen wollen, und kommen mit Spezialfragen in ein Geschäft. Ein Händler sollte deshalb sein Sortiment genau kennen und in der Lage sein, den Kunden dennoch (oder gerade deswegen) gut beraten zu können. „Der Händler vor Ort wird zum Berater, Animateur oder Stylisten und bleibt eben auch Verkäufer“, erklärt IFH-Köln-Geschäftsführer Boris Hedde. Der Handel sei jetzt gefragt, tragfähige Konzepte zu entwickeln.

Wie so ein Konzept aussehen kann, zeigt der Marktplatz von Locafox. Dem stationären Handel bietet sich hier die große Möglichkeit, auch online-affine Kunden zu sich ins Geschäft zu ziehen und den Umsatz zu steigern. Das Internet hat einen großen Einfluss auf die stationäre Kaufentscheidung; der RoPo-Effekt ist für so gut wie jedes Produkt nachweisbar – egal, ob Jeans oder Fahrrad, Werkzeug oder Digitalkamera.

Location-Insider-Redakteur Matthias Hell rät den Händlern, keine Angst vor dem Vergleich mit Onlinehändlern zu haben, zum Beispiel, wenn es um Preise geht: „Für Händler führt kein Weg daran vorbei, sich am Online-Wettbewerb zu messen. Das muss nicht notwendigerweise dazu führen, Online-Preise zu unterbieten. Vielmehr geht es darum, den Preisunterschied zum Internet gegenüber den Kunden mit klar erkennbaren Mehrwerten wie Händler-Fachwissen, Angebot von korrespondierenden Services oder Verfügbarkeit für Rückfragen zu begründen.“ Wer das schaffe, müsse sich auch nicht vor mobilen Preisvergleichen fürchten und könne den direkten Vergleich des Gesamtangebots sogar per freiem WLAN fördern.“

Deshalb gilt es für den stationären Einzelhandel, sich dem Internet spätestens jetzt zu öffnen und auf Multichannel zu setzen – wenn nicht jetzt, wann dann?

Disclaimer:

„Für den oben stehenden Beitrag sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Nutzer verantwortlich. Eine inhaltliche Kontrolle des Beitrags seitens der Seitenbetreiberin erfolgt weder vor noch nach der Veröffentlichung. Die Seitenbetreiberin macht sich den Inhalt insbesondere nicht zu eigen.“

Share.

1 Kommentar

Eine Antwort verfassen