Mittelstand will Business-Applikationen mit integriertem BPM

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Dem Markt für Business-Applikationen stehen offenbar deutliche Veränderungen bevor. Denn nach einer Studie des digital intelligence institute plädiert ein Großteil der Unternehmen für Anwendungen, die gleichzeitig umfassende Funktionalitäten für ein Business Process Management (BPM) bieten.

Derzeit verfügen die meisten Applikationen lediglich über eine Workflow-Unterstützung bestimmter Anwendungsfunktionen. Unternehmen müssen meist für eine moderne Prozesssteuerung zusätzliche BPM-Tools implementieren. Was ist BPM? Business Process Management ist ein Sammelbegriff. Er bündelt eine Reihe von Methoden, die unter anderem die strategische Ausrichtung sowie die Entwicklung und Verbesserung von Geschäftsprozessen steuern sollen. Speziell in großen Unternehmen mit komplexen Strukturen macht BPM Sinn. Der Mittelstand etwa hat diese Möglichkeit der Optimierung von Arbeitsabläufen, IT-bezogen, bisher eher ignoriert. Eine Studie des digital intelligence institute zeigt auf, warum.

Workflow-Unterstützung wird den Anforderungen eines Prozessmanagements nicht gerecht

Für drei Viertel der über 300 befragten Fachbereichsverantwortlichen hat die prozessbezogene Nutzung der Applikationen eine wesentliche Bedeutung. Andererseits urteilen ähnlich viele, dass die in den Anwendungen meist enthaltene Workflow-Unterstützung den Anforderungen eines Prozessmanagements nicht gerecht wird.

Allerdings votiert als Konsequenz daraus nur eine Minderheit von 32 Prozent der Business-Manager dafür, die Prozessanforderungen durch ergänzende BPM-Werkzeuge abzubilden. Vielmehr wünschen sich die Meisten Anwendungen, die zusätzlich über umfassende Prozessfunktionalitäten verfügen. Zur Begründung geben zwei Drittel an, dass eine Abgrenzung von Anwendung und Prozess ein überholtes Denken widerspiegele und beide Anforderungen deshalb in einer Software integriert werden müssten. Aber auch eine gezieltere Prozessunterstützung der betreffenden Fachanwendungen sowie wirtschaftliche Vorteile durch geringeren Projektaufwand und Ersparnisse bei den Lizenzkosten werden von den Befragten als Argumente angeführt.

Umgekehrt spricht nach Meinung der Befragten für eine separate Implementierung von Business-Applikation und Prozess-Software vor allem, dass den Anforderung einer unternehmensweiten Prozessintegration besser als bei einem integrierten Prozess-Tool entsprochen werden kann. Zudem vermisst mehr als die Hälfte entsprechende Marktangebote an Applikationen, die zusätzlich über vollständige BPM-Funktionalitäten verfügen.

Mittelstand fordert zusätzliche Werkzeuge für das Management

Der wissenschaftliche Leiter des dii, Prof. Ayelt Komus, sieht in den Ergebnissen der Erhebung ein generelles Umdenken bei den Anwendern, das zu weitreichenden Konsequenzen für die Produktstrategien der Softwarehäuser führen könnte. „Bisher wurden die Business-Applikationen und die Werkzeuge zur Prozessunterstützung weitgehend unabhängig betrachtet. Doch für die Unternehmen gilt eine solche Trennung offenbar immer weniger, weil die Fachanwendungen ohne den notwendigen Prozessfokus ihren Nutzen nicht ausreichend entfalten können. Andererseits gehört es nicht zu den Kernkompetenzen der auf Fachanwendungen ausgerichteten Softwarehäuser, ihre Applikationen zusätzlich mit Werkzeugen für das Prozessmanagement auszustatten.“

Gleichzeitig verweist Komus auf die Problematik, dass über integrierte Tools in den verschiedenen Anwendungen eine heterogene Landschaft an Prozesswerkzeugen entsteht, sofern nicht eine Anwendung in Sachen BPM eine Leader-Funktion einnimmt. „Wenn jeder Softwarehersteller eigene Tools entwickelt, wird von Applikation zu Applikation keine ausreichende Kompatibilität zu schaffen sein und als Folge eine übergreifende Integration deutlich erschwert. Eine heterogene Prozess-Infrastruktur lässt sich nur vermeiden oder zumindest reduzieren, wenn sich die Softwarehäuser auf gemeinsame Basis-Standards einigen.“ Seine Empfehlung an die Hersteller von Business-Applikationen lautet deshalb, marktgängige Standards als Basis für die eigenständigen Lösungen zu integrieren.

Bildrechte-Teaser: (c) bbbar – Fotolia.com

Via: dii

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5 Kommentare

  1. Mit Ihrem Beitrag „Mittelstand will Business-Applikationen mit integriertem BPM“ liegen Sie völlig richtig. Aber für die Hersteller von Business-Applikationen ist es sehr schwer, BPM-Funktionalität in ihre Business-Applikationen einzubauen. I.d.R. bedeutet das eine völlig neue Architektur der Software, und damit ein Neu-Schreiben. Eine Alternative dazu bieten integrierbare BPM-Systeme. Ein Beispiel dafür ist die BPM-Suite OfficeTalk (www.http://www.joops.com/OfficeTalkSuite.htm). Mit z.B. OfficeTalk kann jede Business-Applikationen mit wenig Aufwand mit BPM-Funktionalität ausgestattet werden.

    • Felix Doersam am

      Danke für die Zusatzinformationen und den Link.
      Zwei Fragen hätte ich da noch:
      1) Wie läuft die Kommunikation über das Tool?
      2) Wie schwer ist die Einrichtung der Software und die Umgewöhnung bzw. Umgang?

      Gruß Felix

  2. Es gibt zunehmend Tools die sich mit der Automatisierung von Geschäftsprozessen durch Workflowmanagement beschäftigen. Doch das ist leider nur die halbe Wahrheit und kann nur ein erster Schritt sein.
    Ein Gesamtsystem besteht aus einem grafischen Designwerkzeug für die Prozesse und Webformulare, sowie ein Portal mit CMS zu Konfiguration von anspruchsvollen Bedien- und Zugangskonzepten, einer integrierten DMS Komponente und einer frei konfigurierbaren Analyse- und Report Komponente. Auch das Thema Businesslogik sollte in der in der Workflowengine integriert sein. Alle Komponenten müssen hochgradig integriert und individuell konfigurierbar sein.

    Daraus lassen sich dann komplexe Geschäftsfälle mit äußerst komplexen Geschäftsprozessen ohne Programmierung nur mit Design und Konfiguration darstellen.

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    Anmerkung der Redaktion

    Links zu den Produkten gelöscht…

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    Allerdings besteht wie erwähnt ein großes Manko bei der Verfügbarkeit von Standardschnittstellen, um Systeme unterschiedlicher Hersteller zu integrieren.

    Ich lade Sie gerne ein die Produkte und Lösungen zu testen oder auch in einer Webpräsentation kennenzulernen und zu diskutieren.

    Beste Grüße aus Stuttgart!
    Hans-Helmut Kümmerer

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