Schichtarbeit als Krankmacher – Aktuelle News im Online-Portal für Arbeitsschutz

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Tipps, Infos und Broschüren zu Schichtarbeit gibt’s im Arbeitsschutz-Portal

Etwa 6 Millionen Erwerbstätige arbeiten in Deutschland im Schichtdienst – das heißt: all diese Menschen arbeiten in der Nacht, am Wochenende, wenn andere schlafen oder ihre sozialen Kontakte pflegen. Schichtarbeiter müssen also auf vieles verzichten und müssen gleichzeitig mit einer enormen körperlichen Belastung zurechtkommen. Schichtarbeit bedeutet unregelmäßigen Schlaf und Arbeit entgegen dem natürlichen Bio-Rhythmus. Die innere Uhr gerät bei vielen Schichtarbeitern aus dem Takt.

Natürlich verkraften das einige Menschen besser als andere. Es gibt drei sogenannte Chronotypen: Abendtypen, Morgentypen und Normaltypen, die unterschiedliche Lebensrhythmen aufweisen. Die Abendtypen, also die, die gern spät aufstehen und spät ins Bett gehen, scheinen besser mit Schichtarbeit zurechtzukommen als die notorischen Frühaufsteher.

Ist Schichtarbeit krebserregend?

Doch Schichtarbeit kann nicht nur unangenehm, sondern auch regelrecht ungesund und gefährlich sein. Verschiedene epidemiologische Studien geben Hinweise darauf, dass Schichtarbeit ihren Teil zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Störungen bis hin zu Depressionen beitragen kann. Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magenprobleme und Bluthochdruck sind bei Schichtarbeitern keine Seltenheit. Nicht gesichert, aber in der Diskussion ist der Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und Krebserkrankungen. Kurzum: Schichtarbeit steht im Verdacht, Krebs, insbesondere Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern, mit auslösen zu können. Es sorgte nicht nur in der Arbeitsschutzwelt für großes Aufsehen, dass die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) im Jahre 2007 Schichtarbeit als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ einstufte. Verantwortlich hierfür scheint den Forschern das „Schlafhormon“ Melatonin zu sein.

Fördert Schichtarbeit die Unfallgefahr?

Zudem scheint ein Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und erhöhten Unfallzahlen zu bestehen: Laut DGUV-Report 1/2012 „Schichtarbeit“ kommt es bei abweichenden oder ungewöhnlichen Arbeitszeiten (also bei Nacht- oder Sonntagsarbeit) zu einem erhöhten Unfallrisiko im Vergleich zu übrigen Zeiten. Auch mit einer nicht unterbrochenen Folge von Schichtarbeitstagen oder Nachtschichten steigt das Unfallrisiko.

Schichtarbeiter – unter besonderer Fürsorge des Arbeitszeitgesetzes

Natürlich gibt es Gesetze und Vorschriften, die Arbeitnehmer vor den Gefahren der Schichtarbeit schützen sollen. Zu nennen sind hier insbesondere das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und das Arbeitszeitgesetz (ArbZG), aber auch das Mutterschutzgesetz und das Jugendarbeitsschutzgesetz können greifen.

Beschäftigte in der Nacht- und Schichtarbeit stehen unter der besonderen Fürsorge des Arbeitszeitgesetzes. So sind Arbeitszeiten und Ausgleichsleistungen im Arbeitszeitgesetz geregelt. Außerdem haben Nachtarbeiter das Recht, sich in regelmäßigen Zeitabständen arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen. Nach Vollendung des 50. Lebensjahres besteht sogar das Recht auf jährliche Präventions-Untersuchungen. Die Kosten dafür hat der Arbeitgeber zu tragen.

Schichtarbeit ist auf jeden Fall ein Thema für die betriebliche Gefährdungsbeurteilung: Wie können die Gefahren durch Schichtarbeit reduziert werden? Wie kann Schichtarbeit möglichst präventiv und nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltet werden?

Tipps für gesündere Schichtarbeit

Die Gefahren von Schichtarbeit werden weiter erforscht. Klar ist aber jetzt schon, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer einiges dafür tun können, dass Schichtarbeit möglichst wenig belastend ist.

Arbeitgeber sollten:

–       Schichtpläne sozialverträglich und gesundheitsfördernd gestalten
–       Arbeitnehmer bei der Schichtplangestaltung einbeziehen und nach ihren Bedürfnissen fragen
–       arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen anbieten
–       flexible Arbeitszeiten ermöglichen
–       Informationsveranstaltungen zum „gesunden Umgang mit Schichtarbeit“ anbieten

Arbeitnehmer sollten:

–       viel schlafen und ihre Schlafumgebung förderlich gestalten
–       sich gesund ernähren
–       für ausreichend Bewegung als Ausgleich sorgen
–       an medizinischen Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen

Handlungshilfen, Tipps, Broschüren im Internet

Berufsgenossenschaften, Unfallkassen und andere Institutionen wie etwa die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bieten Handlungshilfen, Broschüren oder Software für den gesunden Umgang mit Schichtarbeit an. Mit einem regelmäßigen Blick ins Arbeitsschutz-Portal bleiben Sie ebenfalls immer auf dem Laufenden. Hier finden Sie Nachrichten, Publikationen, Videos und vieles mehr rund um das Thema „Schichtarbeit“.

Weitere Informationen zum Thema: http://www.arbeitsschutz-portal.de/sw/schichtarbeit.html

Bild: ©panthermedia.net, Thorsten Freyer

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