Schlaraffenland für Marken-Piraten: Markenmissbrauch wird durch neue generische Top-Level-Domains begünstigt

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Frank Schulz

Frank Schulz

Durch den globalen Erfolg des Online-Handels eröffnen sich für Unternehmen vielfältige neue Möglichkeiten, Kunden anzusprechen. Allerdings birgt diese Entwicklung auch Risiken für den Schutz von Marken und Umsatz. Denn leider wimmelt es im Netz von Produktfälschern, die ein großes Geschäft auf Kosten etablierter Marken machen. Sie nutzen Online-Handelsplattformen und eigene Websites, auf denen sie etablierte Markennamen für ihre Zwecke missbrauchen. Dazu sichern sie sich häufig Domains, die sich eng an den Namen bekannter Marken anlehnen, um Internet-Besucher auf diese falschen Seiten zu locken. Diese Situation wird nun deutlich verschärft durch die Einführung von neuen generischen Top-Level-Domains (gTLDs). Betroffen sind davon keineswegs nur große Konzerne – die Aktivitäten von Online-Fälschern können jedes Markenunternehmen treffen und so geraten immer öfter auch mittelständische Unternehmen ins Visier der Cyber-Kriminellen. Schutz vor solchen Angriffen bietet ein umfassendes Domain-Management und Monitoring-Lösungen, die helfen, das Netz laufend zu sondieren und ihre Marken gegen solche Angriffe zu schützen.

Gute Aussichten für Online-Kriminelle

Jeder Name einer Domain im Internet besteht aus einer Folge von durch Punkte getrennten Zeichenfolgen. Die Bezeichnung Top-Level-Domain bezieht sich auf die Domain-Endungen und bezeichnet dabei den letzten Namen dieser Folge. Lange Zeit gab es nur gut 20 solcher generischen Top-Level-Domains – die wohl Bekannteste davon lautet .com. Vor Kurzem wurde nun mit .NNT (Nippon Telegraph and Telephone) die 500. neue gTLD genehmigt und eingeführt.

Bei der zuständigen Organisation ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) befinden sich derzeit noch etwa 1000 weitere Domain-Namen im Einführungsprozess. Ein Schlaraffenland für Online-Betrüger: Sie können sich jetzt Endungen wie .shop oder .town sichern, um etablierte Markennamen für ihre kriminellen Machenschaften zu nutzen. So vertreiben sie gefälschte Waren über Web-Shops oder machen von sogenanntem „Ad Hijacking“ Gebrauch, indem sie Dienste wie Google Adwords für ihre Zwecke missbrauchen: Die Kriminellen kopieren beispielsweise Anzeigen, die ein Unternehmen bei Google für bestimmte Keywords geschaltet hat, und platzieren sie ebenfalls bei Google. Gibt ein Nutzer bei einer Suche einen entsprechenden Begriff ein, taucht auf der Google-Startseite nicht nur die Anzeige des Markeninhabers auf, sondern auch die täuschend echt aussehende Webseite des Betrügers. Wer nun den falschen Link anklickt, wird – ohne sein Wissen – auf eine Webseite der Cyber-Kriminellen gelenkt. Laut dem aktuellen Shopping Report von MarkMonitor sind das immerhin 10 Prozent[1] der Online-Käufer – und jeder sechste davon lässt sich zum Kauf verleiten. Eine gewaltige Zahl an Betrogenen, wenn man bedenkt, dass schon 94 Prozent der deutschen Internet-User über 14 Jahren laut dem Hightech-Verband Bitkom[2] online kaufen.

Der Erfolg dieses kriminellen Geschäftsmodells liegt einerseits daran, dass die Webseiten der Gauner mittlerweile so professionell aufgebaut sind, dass sie sogar den versiertesten Online-Käufer hereinlegen. Gleichzeitig haben die Kriminellen gelernt, die Produkte nicht mehr auffällig billig anzupreisen, sondern diese preislich so nah am Original auszurichten, dass sie leicht mit Sonderangeboten der Markenhersteller verwechselt werden können. Und die große Zahl der neuen gTLDs bietet schier unbegrenzte Möglichkeiten für Produktpiraten.

Kein Online-Vertrieb, keine Gefahr? Weit gefehlt!

Während die Cyber-Kriminellen durch diese Methode große Umsätze verbuchen, ohne Investitionen in Produktentwicklung und Markenaufbau tätigen zu müssen, erleiden die Markenunternehmen empfindliche Umsatz- und Image-Verluste. So kann es passieren, dass Kunden sich von der Marke abwenden, da sie von der Qualität der gefälschten Ware enttäuscht sind oder dauerhaft in gefälschten Shops mit billigerem Warensortiment einkaufen wollen.

Immer mehr Unternehmen erkennen zwar die Gefahren, die von den betrügerischen Aktivitäten im Internet ausgehen, die wenigsten von ihnen setzen aber geeignete Mittel ein, um diese Risiken zu minimieren. Besonders gefährdet sind kleine und mittelständische Markenunternehmen, da diese häufig nicht damit rechnen, dass ein Missbrauch ihrer Marken im Internet droht beziehungsweise stattfindet. Fatal ist, dass auch Unternehmen, die ihre Produkte gar nicht über das Netz vermarkten, den Online-Attacken ausgesetzt sind: Kriminelle können sich trotzdem entsprechende Domains sichern oder Billigkopien der Markenprodukte online bewerben und zum Verkauf anbieten, da vielen Konsumenten gar nicht bewusst ist, dass das jeweilige Markenunternehmen diese Produkte offiziell nicht online vertreibt.

Entschlossen gegen Fälscher vorgehen

Schützen können sich Unternehmen durch ein umfassendes, rigoroses Domain-Management. Für Markenunternehmen kommt es vor allem darauf an, die kriminellen Machenschaften der Fälscher zu stören und es dem Nutzer zu erschweren, gefälschte Angebote zu finden. Dazu gehört die Erfassung aller Domain-Namen, die das Unternehmen nutzt beziehungsweise reserviert hat. So sollten etwa alle belegten Domain-Namen eines Unternehmens mit sinnvollem Inhalt hinterlegt werden. Manchmal sind Domain-Belegungen eine reine Präventivmaßnahme und dienen nur dazu, den Fälschern zuvorzukommen. Nicht selten stellen diese „Reservierungen“ sogar 99 Prozent des Domain-Portfolios in Unternehmen dar. Es empfiehlt sich daher, die registrierten Domain-Namen einmal im Jahr zu überprüfen. Zudem gilt es zu beachten, dass ausländische Domains (IDNs) mit Websites in der jeweiligen Landessprache verknüpft werden. Um Online-Kunden und damit auch Umsatz zurückgewinnen, müssen Unternehmen konsequent gegen die Täuschungsmanöver der Cyber-Kriminellen vorgehen. Identifizierte Online-Shops von Fälschern sollten deswegen abgemahnt und das Internet sollte nach neuen Täuschungsmanövern durchsucht werden. Auch sollten Marketingverantwortliche alle Plattformen – wie etwa Social-Media-Kanäle oder mobile Apps – fest in die Markenschutzstrategie integrieren. Auch hier können Fälscher ansetzen, um Kunden abzufangen und auf ihre Seiten umzuleiten.

Online-Werte schützen und Domain-Sicherheit zur Priorität machen

Domains zählen heutzutage zu den wichtigsten Vermögenswerten eines Unternehmens, insbesondere kritische Seiten wie die Hauptwebseite, E-Mail-Accounts und –Infrastruktur sowie Domain-Infrastruktur. Sie müssen rund um die Uhr überwacht werden, um das Geschäft aufrecht zu erhalten und die Reputation der Marke zu schützen. Das funktioniert nur mit automatisierten Lösungen.

Cyber-Kriminalität ist kein vorübergehendes Phänomen oder kurzfristiger Trend. In Zukunft wird ein umfassendes, proaktives Domain-Marketing weiter an Bedeutung gewinnen. Online-Lösungen, die automatisiert und kontinuierlich das Internet scannen, helfen die Bedrohung aus dem Netz zu evaluieren und einzuschätzen. Durch den geschickten Einsatz solcher Methoden und die systematische Datenanalyse können Unternehmen gezielt gegen die größten Gefährdungen vorgehen und eine Markenschutz-Strategie entwickeln, die auch in Zeiten der wachsenden Bedrohungen wirkt – und ihre Umsätze und Markenintegrität schützt.

Über den Autor:

Frank Schulz ist seit 2009 als Regional Manager Central Europe für MarkMonitor tätig und verantwortet in dieser Position die gesamte Geschäftsentwicklung in Zentraleuropa. Hierzu zählen Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Vor seinem Einstieg bei MarkMonitor arbeitete Schulz in gleicher Funktion bei Talisma, einem der führenden Anbieter von Customer Relationship Management (CRM)- und Customer Interaction Management (CIM)-Lösungen. Seine Laufbahn begann er 1985 als Field Engineer bei Comparex Informationssysteme. Hier war er für die Systemberatung im Bereich IBM Großrechner zuständig, ehe er in den Vertrieb wechselte. In den darauffolgenden 11 Jahren bekleidete Schulz leitende Positionen im Vertrieb von Start-up-Unternehmen wie Acta Technologies, webMethods und Cyrano. In dieser Zeit war er für den Aufbau von Geschäftsbereichen mit den Schwerpunkten Daten- und Applikationsintegration verantwortlich.

[1] https://www.markmonitor.com/pr/ShoppingReport/
[2] http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM-Praesentation_Trends_im_Online-Shopping_08_05_2014.pdf

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