Schweizer Badewannen-Spezialist Schmidlin setzt auf Variantenkompetenz von VlexPlus ERP

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Rund die Hälfte aller Schweizer Stahlbade- und Duschwannen kommen aus dem Schmidlin Produktionswerk in Oberarth im Kanton Schwyz. Um die rund 20.000 Modelle und 1.000.000 unterschiedlichen Varianten effizienter zu verwalten, die Transparenz der Produktionsprozesse zu verbessern und alle Abläufe durchgängig abbilden zu können, führte das Schweizer Traditionsunternehmen 2015 mit VlexPlus der VLEXsoftware+consulting gmbh ein neues, web-basierendes und branchengerechtes ERP-System ein. Damit legte der Badewannen-Spezialist den Grundstein für eine Reorganisation der Variantenprozesse und profitiert seither von einem erheblich geringeren Datenpflegeaufwand, durchgängiger Prozesstransparenz, hoher Liefersicherheit und übergreifend automatisierten Konfigurationsprozessen in Vertrieb, Fertigung und Einkauf.

Das Schmidlin Produktionswerk im Schweizer Oberarth, wo das Unternehmen seinen Hauptsitz hat.

  Die Wilhelm Schmidlin AG ist ein familiengeführtes, 1947 gegründetes Fertigungsunternehmen mit rund 80 Mitarbeitern, das sich auf die Entwicklung und Produktion hochwertiger Badewannen, Duschwannen, Duschflächen und Waschtischen aus Stahl und Email spezialisiert hat. Das Unternehmen verfügt über modernste Fertigungsanlagen, ein eigenes Presswerk und ein 2009 neu errichtetes Emaillierwerk mit effizienten Roboterlinien, Förderanlagen und Brennöfen. Neben dem Standardsortiment von ca. 20.000 unterschiedlichen Ausführungen produziert Schmidlin auch kundenindividuelle Spezialanfertigungen nach Maß.

Veraltetes System mit mangelnder Transparenz und Durchgängigkeit

Die bislang genutzte Unternehmenssoftware, eine kaum mehr gewartete Eigenentwicklung von 1991 auf Client-Server-Basis, lief zwar immer noch stabil, doch konnte sie den gewachsenen Anforderungen im Hinblick auf Effizienz, Kundenorientierung und Liefertreue nicht mehr standhalten. So ließen sich mit dem Altsystem weder schnellere Durchlaufzeiten realisieren, noch konnte es in Fertigung und Vertrieb die benötigte Variantenvielfalt bieten, wodurch man sich jahrelang mit umständlichen Workarounds behalf. „Preise und Konditionen einzelner Varianten mussten jeweils händisch errechnet und geprüft werden. Zudem fehlte es für eine zuverlässige Prozesssteuerung an Transparenz und Durchgängigkeit. Wenn ein Mitarbeiter im Vertrieb dem Kunden einen Liefertemin bestätigen wollte, konnte er aus dem System nicht ersehen, ob das benötigte Rohmaterial bereits nachbestellt wurde oder wann es wieder im Bestand sein wird“, gibt Urs Wullschleger, der das Unternehmen gemeinsam mit Bruder Beat Wullschleger seit 2007 führt, ein Beispiel. 2014 entschied sich die Geschäftsführung daher zur Ablösung des Altsystems durch ein modernes und zukunftsweisendes Gesamtsystem.

 Flexibles System mit hoher Variantenkompetenz gesucht

In zahlreichen internen Workshops wurden zunächst die Anforderungen an das neue ERP-System erarbeitet und in einem detaillierten Lastenheft für den weiteren Ausschreibungsprozess dokumentiert. So musste das neue System vor allem über einen leistungsfähigen, tief in die Produktions- und Vertriebsprozesse eingebetteten Produktkonfigurator und eine integrierte Lager(platz)verwaltung verfügen. Es sollte eine effiziente Herstellung in der Losgröße 1 erlauben, um auch Einzelstücke wirtschaftlich fertigen zu können. Anpassungen am Regelwerk des Variantenkonfigurators und der Oberfläche sollten zudem einfach und ohne Unterstützung eines externen Dienstleisters umsetzbar sein, um sich flexibel auf wandelnde Anforderungen einzustellen. Ein „Work-In-Progress“ Tracking sollte jederzeitige Transparenz des Produktions- und Auftragsprozesses bieten und ad hoc aufzeigen können, welcher Artikel aktuell welchen Status aufweist.

VlexPlus bot uns als Variantenfertiger mit seiner konsequenten Variantenlogik die ausgereifteste Lösung“, so Beat Wullschleger (rechts), der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Urs Wullschleger führt.

 Nach einer Vorevaluation verschiedener Lösungen und Durchführung von 1-Tages-Workshops mit den Anbietern fiel die Wahl im August 2014 schließlich auf das auf Comarch ERP basierende Variantensystem VlexPlus. „Am Ende haben wir uns die Entscheidung doch recht leicht gemacht, denn VlexPlus bot nicht nur eine hochmoderne technologische und plattformunabhängige Basis, sondern für uns als Variantenfertiger bei weitem auch die ausgereifteste Lösung – vom Aufbau des Artikelstamms, der zugehörigen Arbeitsgänge, der Bezeichnungen bis hin zur Preisfindung ist die Variantenlogik übergreifend, konsequent und komfortabel umgesetzt“, begründet Geschäftsführer Beat Wullschleger die Entscheidung.

Da nur wenige Daten aus dem Altsystem migriert wurden, ging die Datenübernahme schnell und reibungslos vonstatten. Etwas aufwändiger hingegen gestaltete sich die erstmalige Einrichtung des Konfigurationsregelwerkes mit sämtlichen zugrundeliegenden Bedingungen und Abhängigkeiten bei der Fertigung der Vielzahl von Varianten, da es dieses bislang schlicht nicht gab. Zum 01. April 2015 ging das neue VlexPlus System schließlich u.a. in den Unternehmensbereichen Produktion, Vertriebsadministration, Einkauf, Lager, Logistik, Produktmanagement, Finanzwesen und Controlling in den Produktivstart.

Gewinn an Transparenz und Liefersicherheit

Da es bislang kein Regelwerk für die Variantenkonfiguration gab, wurde jede mögliche Variante aus mehreren Artikeln zusammengestellt. Auf diese Weise wurden über 30.000 Varianten im damaligen System hinterlegt. „Da mit VlexPlus nur wenige Basisartikel im System angelegt und mit Sachmerkmalen sowie Merkmalsausprägungen versehen werden, ist der vorgehaltene Artikelstamm heute sehr übersichtlich und in der Pflege gut händelbar. Zudem laufen viele Prozesse heute weitgehend automatisiert ab, was unsere Kalkulations-, Beschaffungs-, Angebots- und Vertriebsprozesse maßgeblich erleichtert“, zeigt sich Urs Wullschleger zufrieden. „Wir sind nun in der Lage, die Anforderungen unserer Kunden nahezu vollständig in VlexPlus abzubilden und auf Knopfdruck in ein Angebot zu überführen. Der Gewinn an Transparenz durch unsere Steuerungs-Cockpits und das „Work-in-Progress-Tracking“ aber stellt für uns den wichtigsten Mehrwert dar, da die jederzeitige Auskunftsfähigkeit und hohe Liefersicherheit vor allem unseren Kunden zugutekommt.“

Zukunftsweisende Industrie 4.0 Lösung durch Anbindung der Robotertechnik

Die durchgängige Abbildung aller wichtigen Prozesse über VlexPlus trägt ebenfalls zu einer massiv höheren Zuverlässigkeit der Lagerbestände bei. So ist das ERP System über eine Schnittstelle mit dem Factory Control System (FCS) des Emaillierwerkes verbunden. Das FCS verfolgt alle Produkte und Aufträge in einer SQL-Datenbank und ist über eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) mit der Power- and Free Fördertechnik und der Robotertechnik in Echtzeit verbunden. Über VlexPlus wird der Auftrag über einen Data Matrix (QR-) Code ausgedruckt und dem Produkt beigefügt. Dieser enthält alle relevanten Produktinformationen, die dann bei der Aufgabe des Artikels mit den Maschinendaten aus dem angebundenen FCS-System kombiniert und an einen RFID Chip übergeben werden. Ab diesem Arbeitsgang werden die einzelnen Produkte automatisch befördert, wobei die jeweiligen Beschichtungslinien und Roboterprogramme für die Veredelung der Produkte just-in-time aufgerufen werden. Über die Schnittstelle meldet das FCS jede Statusänderung der Aufträge ins VlexPlus zurück.

30 Mitarbeiter arbeiten heute täglich mit dem neuen System. Für die Zukunft ist geplant, die Lagerverwaltung um mobile Geräte zu erweitern und das externe Product-Information-Management an das VlexPlus System anzubinden. Ausgabedokumente werden daneben künftig nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch in Englisch, Italienisch und Französisch zur Verfügung stehen können. Mit Qlikview wird im ersten Halbjahr 2017 zudem ein umfassendes Business Intelligence System eingeführt, das über eine bidirektionale Schnittstelle mit dem ERP verbunden sein wird. Damit sollen sukzessive weitere Potenziale über alle Geschäftsbereiche hinweg erschlossen werden.

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