Unternehmensnachfolge im Mittelstand: Die Gründergeneration sucht Nachfolger

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Udo Goetz widmet sich in diesem Beitrag dem Generationenwechsel der Eigentümer, den Deutschland momentan erlebt. Als Vorstand der axanta AG, einer unabhängigen Beratungsgesellschaft im M&A-Geschäft, die kleine und mittelständische Unternehmen berät und unterstützt, erlebt Udo Goetz die Nachfolgersuche der Aufbaugeneration hautnah mit und schreibt in diesem Gastbeitrag für Blick Log über seine Erfahrungen.

Deutschland hat der Gründergeneration viel zu verdanken. Die klein- und mittelständischen Unternehmer haben die Wirtschaft nach dem Krieg wieder aufgebaut und heute sind sie der Motor unserer Volkswirtschaft. Doch die Gründergeneration nähert sich ihrem verdienten Ruhestand. Alleine in Deutschland sind nach Untersuchungen des IfM Institutes für Mittelstandsforschung bis 2014 jährlich rund 22.000 Unternehmen auf der Suche nach einem Nachfolger, zumeist aus Altersgründen. Bevor der Unternehmer allerdings den wohlverdienten Ruhestand antreten kann, sind zunächst alle Kräfte auf die Übergabe des eigenen Unternehmens zu konzentrieren. Keine einfache Aufgabe, gilt es doch, das laufende Geschäft unvermindert weiter zu führen und gerade in der Übergabephase nicht nachzulassen.

Mit den Überlegungen zur Übergabe geht eine Vielzahl an Unwägbarkeiten einher. Kein Wunder, hat der Unternehmer doch schon viel in seinem Berufsleben gemacht, nur seine Firma hat er noch nicht verkauft. Es geht um völliges Neuland zum Abschluß seiner Unternehmerkarriere. Die plötzlich aufkommenden Emotionen machen diese Phase nicht einfacher. Denn es handelt sich schließlich um nicht mehr oder weniger als die Übergabe seines Lebenswerkes. Ist die Entscheidung zur Firmenübergabe getroffen und der Abschied beschlossene Sache, so ist eine strukturierte Vorgehensweise mit der Entwicklung eines Verkaufsprozesses notwendig.

Kein Nachfolger vorhanden – und nun?
In der Mehrzahl der Fälle ist weder in der Familie noch firmenintern ein passender Nachfolger verfügbar. Damit bleibt nur eine externe Lösung durch den Verkauf an einen anderen Unternehmer oder einen Existenzgründer. Wie bei jedem Verkauf ist eine ausreichende Vorlaufzeit der größte Chancengeber für einen erfolgreichen Abschluß. Je früher die Veräußerung eingeleitet wird, desto besser. Als optimal hat sich bewährt, bereits 2 – 3 Jahre vor dem Verkauf nach ersten Überlegungen konkrete Schritte einzuleiten.

Zu Beginn sollte auch die Frage nach der externen Unterstützung für den Verkauf geklärt werden. Professionelle Unternehmensvermittler bieten die notwendige Hilfestellung, um den Verkaufs-Prozess zu strukturieren, passende Kaufinteressenten zu recherchieren und vor allem die Hürden der späteren Verkaufsverhandlungen sicher zu meistern. Eine Garantie für den Verkaufserfolg können sie zwar nicht abgeben, aber mit dem richtigen Berater können die Chancen für eine solide Nachfolgeregelung deutlich erhöht werden.

Unternehmensverkauf: Eine sorgfältige Planung ist das A und O
Zu den wichtigsten Aufgaben zählen die betriebswirtschaftliche und bilanzielle Optimierung des Unternehmens sowie die Lösung eventueller Personalprobleme – insbesondere die Stärkung oder der Aufbau einer zweiten Unternehmensebene. Die entsprechenden Informationszusammen-stellungen für aussagekräftige Verkaufsunterlagen mit Bilanzen, Kunden- und Mitarbeiterstrukturen, etc., folgen dann später.

Zudem sollte die „Braut hübsch“ gemacht werden. Denn ein guter erster Eindruck ist bei einer der späteren Firmenbesichtigungen mit Kaufinteressenten durch nichts zu ersetzen. Vermeintlich einfache Maßnahmen, wie ein geordnetes Büro und ein gepflegter Firmensitz sollten selbstverständlich sein. Ein gut informiertes und freundliches Auftreten des Firmeninhabers können ebenfalls Wunder wirken. Denn letztlich geht es um den Aufbau einer Vertrauensbasis zwischen Verkäufer und dem potentiellen Käufer. Kein einfaches Unterfangen, denn der Firmeninhaber möchte Gewissheit über die Ernsthaftigkeit des Kaufinteresses und natürlich die Solvenz des Nachfolgers. Auch Fragen nach der Übernahme der Mitarbeiter und der Fortführung des Betriebes müssen geklärt werden. In dieser Phase ist ein erfahrener Unternehmensvermittlergefordert. Er strukturiert nicht nur den gesamten Verkaufsprozess, sondern führt über eine fortlaufende Moderation und Motivation auch durch die Hürden der nicht selten emotional geführten Verkaufsverhandlungen.

Auch die genaue Gestaltung der Übergabe sollte entsprechend geregelt werden. Dabei kann eine länger andauernde Einbindung des Altinhabers sehr hilfreich sein und ist ein Gewinn für beide Seiten. Der Käufer profitiert vom Wissen und der Erfahrung des Verkäufers und der Altinhaber kann sich schrittweise von seiner Firma verabschieden.

Wie die Nachfolge im Detail auch aussieht, sie wird nur ein Erfolg, wenn sie geplant wird. Das Ziel ist es, aus einem Nachfolgewunsch eine Nachfolgeregelung zu machen. Und der beste Rat für jeden Unternehmer bleibt, die Nachfolge frühzeitig zu planen. Dann kann der Generationenwechsel der Eigentümer erfolgreich stattfinden.

Autor: Udo Goetz, Vorstand der axanta AG
Bild: © axanta AG

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