Urban Production – Fabriken zurück in die Stadt?

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Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation baut einen Innovationscluster auf, der die gezielte Verlagerung von Firmen- bzw. Produktionsstandorten vom ländlichen in den städtischen Raum erforscht und den Unternehmen bei der Koordination behilflich ist

Was jetzt nun: Stadt oder Land? High Life oder Ruhe und Beschaulichkeit? Zumindest was den Wohntrend angeht, entscheiden sich immer mehr Menschen in Deutschland für letzteres. Es zieht sie in die ländlichen Regionen, der Kinder oder sich selbst wegen. Dass sie dafür häufig weite Strecken pendeln müssen, nehmen sie gerne in Kauf. Es winken der große Garten zum Spielen mit dem Nachwuchs und die gute Luft und die Stille für einen tiefen Schlaf in der Nacht. Doch ganz anders sieht es da mit Blick auf die Firmen aus: Viele Unternehmen tragen sich bereits mit dem Gedanken, sich in der Stadt bzw. stadtnah anzusiedeln, samt Produktion. Das mag auf den ersten Blick verblüffen, jedoch bringt das „Mittendrinsein“ für die Firmen viele Vorteile wie zum Beispiel die Nähe zu Kunden, Märkten und Lieferanten und damit eine bessere Kommunikation und auch niedrigere Emissionen, weil kürzere Transport- und Anfahrtswege. Ein mindestens ebenso wichtiger Aspekt, der bei der sogenannten „Urban Production“ positiv zum Tragen kommt, ist die oft direkte Nachbarschaft zu Forschungs- und Technologiezentren: Innovationspotenzial kann besser freigesetzt, interdisziplinäre Projekte können effizienter vorangetrieben werden. Außerdem lassen sich mit einem Firmensitz in der Stadt leichter qualifizierte Fachkräfte finden, ist doch das Arbeiten in der Stadt attraktiver als „janz weit draußen“.

Schön und gut, mag man sich jetzt denken, aber was ist mit der Umwelt, was passiert dadurch mit dem Stadtbild, wie nehmen die Städter die Firmen wahr, die plötzlich gebaut werden, leidet nicht ihre Lebensqualität darunter – gerät dadurch nicht alles aus dem Gleichgewicht? Nein, wenn man denn gewisse Voraussetzungen erfüllt und stadtverträgliche, ganzheitliche und vor allem nachhaltige Konzepte entwickelt, die auch ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen. Es braucht also niemand Angst davor haben, dass sich die Schwerindustrie in der Stadt neu ansiedeln wird – vielmehr werden es Firmen aus den Hightech- und wissensbasierten Bereichen sein, die das Stadtbild ergänzen.

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart widmet sich diesem Thema zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung und hat dafür eigens den Innovationscluster „Urban Production“ ins Leben gerufen. Als eine Art Think Tank  bündelt dieser Forschungsprojekte mit Bezug zu »Urban Production« auf regionaler Ebene und erhöht damit nicht nur die Breitenwirkung der einzelnen Projekte um ein Vielfaches, sondern sorgt auch dafür, dass die »Urban Production« koordiniert weiterentwickelt wird. Das ist gut und wichtig so, denn das Prinzip Nachhaltigkeit in Produktionsverfahren setzt sich mehr und mehr durch, auch bei alteingessenen mittelständischen Firmen auf dem Land. Viele von ihnen wurden nach und nach von Wohnhäusern regelrecht eingekreist und müssen nun mehr Rücksicht walten lassen als bisher. Doch das Umdenken birgt auch für die Unternehmen viele Vorteile: Die Hinterfragung und Überprüfung von Produktionsprozessen mit Blick auf ökologische und soziale Aspekte führt mitunter zu großen innerbetrieblichen Verbesserungen und so insgesamt auch zu mehr Wirtschaftlichkeit.

Via: Industrieanzeiger

Bild: © Ella Sarkisyan – Fotolia.com

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