Von Alexander Goller, Principal Solutions Architect bei Illumio ©Illumio
Die vielen noch ausstehenden NIS2-Registrierungen sind ein Symptom, dass auf ein tieferliegendes Problem hinweist: Cybersicherheit wird vielerorts noch immer nicht genug Priorität eingeräumt.
Jede Organisation, die NIS2 ernst nimmt, setzt die Anforderungen in Form eines Projekts um. Vorbereitung und Registrierung sind zeitaufwendig, aber nur die ersten kleinen Schritte in dem wesentlich größeren NIS2-Projekt. Man muss es so offen sagen: Dass Tausende Organisationen bereits hier ins Stocken geraten, macht deutlich, welchen Stellenwert Cybersicherheit in vielen deutschen Vorstandsetagen weiterhin einnimmt: nicht den eines strategischen Risikos, sondern den eines administrativen Ärgernisses.
Die vielen noch ausstehenden NIS2-Registrierungen sind nur die Spitze des Eisbergs. Organisationen, die Schwierigkeiten mit der Registrierung haben, dürften bei der operativen Umsetzung von NIS2 ebenfalls an ihre Grenzen stoßen. Das ist besonders besorgniserregend. Die Registrierungslücke lässt die Resilienzlücke erahnen.
Mit NIS2 will der Gesetzgeber erreichen, dass Organisationen, die für unser aller Leben bedeutend sind, ihre Cyberresilienz steigern. Es geht also darum, ob eine Organisation verhindern kann, dass aus einem Cybervorfall eine Geschäftskrise wird. Angenommen, ein Laptop wird kompromittiert oder Zugangsdaten werden durch Phishing gestohlen: Wie viele kritische Systeme kann ein Cyberangreifer von diesem ersten Ausgangspunkt aus erreichen? In vielen Organisationen lautet die Antwort noch immer: zu viele.
Organisationen müssen der Wahrheit ins Auge blicken: Sie können nicht alle Angriffe abwehren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Angreifer die Abwehrmaßnahmen überwindet, eindringt, sich in der IT-Umgebung bewegt, Daten stiehlt und Schaden anrichtet. Organisationen müssen daher proaktiv Maßnahmen ergreifen, um Eindringlinge zu stoppen. Genau das meint NIS2, wenn es Geschäftskontinuität verlangt.
Organisationen, die sich nicht registrieren, riskieren ein Bußgeld. Organisationen, die Eindringlinge nicht zügig stoppen, riskieren katastrophale Schäden.
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