Alexander Müllner-Gilli, Business Development Executive Cloud and Applications DACH bei SoftwareOne (Quelle: SoftwareOne)
Die Cloud-Migration ist für mittelständische Unternehmen längst keine Frage des Ob mehr, sondern des Wie. Doch bei der Wahl des passenden Hyperscalers fehlt vielen eine klare Linie. Dabei ist diese Entscheidung so weitreichend wie die Einführung eines neuen ERP-Systems – und verdient entsprechende Sorgfalt.
In der Praxis entscheiden sich viele Unternehmen für den Hyperscaler, der den bequemsten Einkaufsweg bietet. Microsoft-Kunden tendieren zu Azure, weil sie Cloud-Services einfach über ihr bestehendes Enterprise Agreement hinzubuchen können. Doch diese Logik greift zu kurz. Die Wahl des Cloud-Anbieters legt die IT-Basis für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre fest. Sie beeinflusst KI-Strategien, Datenarchitekturen, Sicherheitskonzepte und die digitale Souveränität des Unternehmens.
Gerade für den Mittelstand ist diese Entscheidung besonders kritisch: Die Ressourcen für spätere Kurskorrekturen sind begrenzt, und ein Vendor-Lock-in wiegt hier schwerer als in Konzernen mit größeren IT-Budgets. Umso wichtiger ist es, die Transformation strategisch anzugehen – mit einer fundierten Bedarfsanalyse als Ausgangspunkt.
Trotz vieler Gemeinsamkeiten hat jeder der drei großen Hyperscaler seine eigene Prägung. Microsoft Azure ist stark bei allem, was eng an die Office-Welt und interne IT anschließt – ideal für Unternehmen, die eine tiefe Microsoft-Integration wünschen. Amazon Web Services (AWS) richtet sich mit seiner Microservice-Architektur an Unternehmen, die selbst Anwendungen entwickeln oder KI-Modelle bauen möchten. Google Cloud Platform (GCP) punktet als Cloud-Pionier mit starker KI- und Analytics-Kompetenz sowie leistungsfähigen Data-Warehouse-Lösungen.
Die Wahl sollte vom konkreten Bedarf ausgehen: Welche Business-Anforderungen bestehen heute – und welche zeichnen sich für die Zukunft ab? Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, kann später schneller agieren.
Multi-Cloud: Flexibilität mit Augenmaß
Die Festlegung auf einen Haupt-Hyperscaler bedeutet nicht, sich auf einen einzigen Anbieter zu beschränken. Der Trend geht zu Multi-Cloud-Architekturen, die verschiedene Anbieter in einem Best-of-Breed-Ansatz kombinieren. So können Unternehmen für jeden Anwendungsfall die beste Lösung wählen und Abhängigkeiten reduzieren.
Allerdings erfordert jede Cloud dediziertes Expertenwissen. Wer sich mit lokalen Microsoft-Systemen auskennt, beherrscht nicht automatisch das Azure-Management. Jeder Hyperscaler hat seine Besonderheiten – ähnlich wie ein Pilot für jede Flugzeugklasse eigene Zertifizierungen benötigt. Eine Multi-Cloud-Strategie sollte daher realistisch einschätzen, welches Know-how intern vorhanden ist und was extern ergänzt werden muss.
Die Debatte um digitale Souveränität verstärkt die Nachfrage nach souveränen Cloud-Lösungen. Alle drei großen Hyperscaler bieten mittlerweile dedizierte Sovereign Clouds für den europäischen Markt an. Diese Umgebungen unterliegen vollständig der europäischen Jurisdiktion, werden ausschließlich von europäischen Mitarbeitenden betrieben und speichern alle Daten in Europa.
Für die meisten Workloads reichen jedoch die Sicherheitsmechanismen der Public Clouds aus. Azure, AWS und GCP bieten Verschlüsselung an, bei der der Schlüssel in der Hoheit des Kunden bleibt. Souveräne Clouds sind teurer – daher sollten Unternehmen genau prüfen, welche Workloads dieses hohe Schutzniveau tatsächlich benötigen.
Warum externe Beratung den Unterschied macht
Die Komplexität der Cloud-Transformation überfordert viele interne IT-Abteilungen – besonders im Mittelstand, wo Ressourcen knapp sind. Externe Spezialisten bringen nicht nur technisches Know-how ein, sondern auch Erfahrung aus zahlreichen Projekten.
In einem gemeinsamen Workshop lassen sich Use Cases identifizieren und eine passgenaue Cloud-Roadmap entwickeln. Die Experten unterstützen dabei, Daten und Applikationen für die Migration vorzubereiten und die Landing Zone aufzubauen – jene Grundarchitektur, die für sichere und standardisierte Workload-Bereitstellung sorgt. Diese umfasst Identitäts- und Zugriffskonzepte, Netzwerk- und Sicherheitsarchitektur sowie Governance- und Compliance-Regeln. Eine sauber aufgebaute Landing Zone ist entscheidend, um Migrationsrisiken zu minimieren und unnötige Kosten zu vermeiden.
Ein oft unterschätzter Vorteil externer Beratung: Zertifizierte Cloud-Partner können Funding-Programme der Hyperscaler erschließen. Microsoft, Google und Amazon bieten finanzielle Unterstützung für Cloud-Migrationen an, um Unternehmen den Umstieg attraktiv zu gestalten. Der Hyperscaler übernimmt dann einen Teil der Migrationskosten – etwa für Assessments, Proof of Concepts oder Beratungsleistungen. Meist umfasst das Paket auch Credits für Compute- oder Storage-Ressourcen, die innerhalb eines definierten Zeitraums eingelöst werden können.
Das Funding ist zweckgebunden und hängt vom erwarteten Cloud-Volumen ab. Gerade für mittelständische Unternehmen kann diese Starthilfe den entscheidenden Unterschied machen: Im besten Fall lässt sich der Umzug in die Cloud nahezu kostenneutral gestalten. Ein erfahrener Partner weiß, wie er das Projekt so orchestriert, dass Unternehmen das Maximum aus den Förderprogrammen herausholen.
Fazit: Strategie vor Bequemlichkeit
An der Cloud führt kein Weg vorbei. Doch die Wahl des Hyperscalers sollte nicht aus dem Bauch getroffen werden. Azure eignet sich für tiefe Microsoft-Integration, Google punktet mit KI- und Analytics-Kompetenz, AWS richtet sich an entwicklungsorientierte Unternehmen. Wer die Cloud-Transformation strategisch angeht, externe Expertise einbindet und Funding-Möglichkeiten nutzt, schafft die Grundlage für nachhaltigen Erfolg – ohne das IT-Budget über Gebühr zu strapazieren.
Über den Autor:
Alexander Müllner-Gilli verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der IT-Branche und hält einen Master of Business Administration (MBA). Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Cloud-Migration und Cloud-Architektur, die er seit 2023 als Business Development Executive Cloud and Applications DACH bei SoftwareOne einbringt.
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