Pius Warken lernt Azubi in einem Handwerksbetrieb mit dem System Wattro an ©Wattro / AntonTrojosky

Während Hunderttausende Fachkräfte im Handwerk fehlen, kämpfen Betriebe weniger mit Auftragsmangel als mit Zeitverlust im Alltag. Ein Heidelberger Technologieunternehmen zeigt, wie digitale Prozesse aus bestehenden Teams mehr Leistung herausholen

Montagmorgen, kurz vor sieben, im Hof eines mittelständischen Malerbetriebs. Das Team steht bereit, die Fahrzeuge sollen raus zur Baustelle. Doch beim Beladen fehlt das Werkzeug: Wer hat den Schleifer mitgenommen, wo ist der zweite Akkuschrauber, und warum fehlt ausgerechnet jetzt die Leiter im Fahrzeug? Es folgen Telefonate, kurze Wege zwischen Lager und Fahrzeug und die obligatorische Diskussion. Nach zwanzig Minuten ist klar, das Team kommt nicht los und zwar nicht wegen fehlender Aufträge, sondern weil niemand weiß, wo die Werkzeuge sind.

Szenen wie diese kosten im Mittelstand täglich Zeit und Nerven. Der Fachkräftemangel ist die Realität, die das Handwerk im Würgegriff hält. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) bezifferte die Lücke für 2025 auf gut 97.000 fehlende Handwerker, fast jede zweite Stelle war rechnerisch nicht besetzbar. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) spricht sogar von rund 250.000 offenen Stellen.

Da die Demografie unbarmherzig zuschlägt und bis 2039 rund ein Drittel des heutigen Arbeitskräftepotenzials in Rente geht, müssen Betriebe umdenken. Wenn keine neuen Köpfe zu finden sind, lautet die entscheidende Frage: Wie schaffen wir mit der gleichen Mannschaft mehr Leistung? Die Antwort liegt in der konsequenten Digitalisierung von Prozessen. Genau hier setzt der Heidelberger Soft- und Hardware-Spezialist Wattro an.

Funktechnik statt Zettelchaos und Effizienz per Knopfdruck

Die Heidelberger haben ein System entwickelt, das den administrativen Leerlauf im Betrieb radikal minimiert. Statt sich wie üblich auf das manuelle Scannen von QR-Codes zu verlassen, setzt Wattro auf patentierte, batterielose RFID-Funk-Label. Ein zentrales Terminal am Lagerausgang erfasst die vorbei getragenen Werkzeuge vollautomatisch. Wird ein Gerät nicht gebucht, erinnert ein Signal daran, so wird jede Mitnahme zuverlässig in einer Cloud-Software erfasst und dem jeweiligen Mitarbeiter zugeordnet. Jeder sieht auf dem Smartphone, welches Gerät wo im Einsatz ist, was laut Entwicklern rund 35 Stunden Suchzeit pro Mitarbeiter im Jahr spart. „Wir können den Fachkräftemangel nicht kurzfristig durch neue Arbeitskräfte lösen, aber wir können seine Auswirkungen für die Betriebe massiv abfedern“, erklärt Anton Trojosky, Geschäftsführer von Wattro. „Unsere Technologie ersetzt keine Handwerker, aber sie macht vorhandene Teams deutlich produktiver. Wer weniger sucht, gewinnt wertvolle Zeit für die eigentliche Arbeit am Kunden zurück.“

Attraktiver Arbeitsplatz für den Nachwuchs

Gleichzeitig zahlt eine solche digitale Verwaltung auf ein weiteres wichtiges Thema ein: die Mitarbeitergewinnung. Zwar drängen Akademiker und Studienabbrecher nicht in Massen in die Werkstätten, aber das Interesse an krisenfesten, praktischen Berufen wächst spürbar. Diese technikaffine Generation bringt ganz selbstverständliche Erwartungen an moderne IT-Strukturen mit. Wer im Alltag alles per Smartphone erledigt, verliert im Job schnell die Motivation, wenn er morgens analoge Listen wälzen muss. Ein zeitgemäßer, digitaler Workflow im Lager hilft Betrieben daher, sich im Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte moderner zu positionieren.

Dass dieses System in der Praxis funktioniert, bestätigt auch Markus Kroll, Inhaber des SHK-Betriebs Kroll GmbH: „Früher haben wir unzählige Stunden mit Telefonaten verschwendet, heute reicht ein Blick aufs Smartphone. Gerade für jüngere Mitarbeiter ist diese App-Lösung völlig selbstverständlich. In Zeiten, in denen es immer schwieriger wird, qualifizierte Bewerber zu finden, ist diese Effizienzsteigerung ein echter Vorteil. Meine Leute sind entspannter, und wir schaffen spürbar mehr Aufträge mit der gleichen Mannschaft.“

Am Ende zeigt das Beispiel Wattro, dass die Digitalisierung ein wichtiger Baustein gegen den Personalnotstand ist, indem sie Handwerkern das zurückgibt, was sie am dringendsten brauchen: Zeit für ihr Handwerk.

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