Thomas Krüger, Unternehmensberater und Nachfolgeexperte von BOSS-Scout ©BOSS-Scout
Unternehmensberater und Nachfolgeexperte Thomas Krüger, Gründer von www.BOSS-Scout.de , und www.BOSS-Scout.com über die Thematik der Unternehmensnachfolge und Strategie.
Unternehmensnachfolge war, ist und wird ein zentrales Thema des notwendigen gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs Deutschlands bleiben. Zu groß, zu umfangreich, zu komplex sind die derzeitigen Disparitäten. Sei es zwischen der Anzahl der zur Verfügung stehenden Nachfolgeaspiranten und derer, die diese Bereitschaft nicht haben. Sei es zwischen den Chancen sowie bürokratischen Hindernissen für Unternehmen vor 20 Jahren und heute. Sei es zwischen der Grundeinstellung zum Unternehmertum von Seiten der Boomer sowie den nachfolgenden Generationen. Nun heißt es: diese Lücken schließen! Doch wie sind diese überhaupt entstanden?
Rezession. Die wörtliche Omnipräsenz in den deutschen Wirtschaftsmedien. Ein sinkendes Bruttoinlandsprodukt gepaart mit fehlender Perspektive. Während die Prognosen der letzten Jahre bereits schon genug Unmut über die vergangene Wirtschaftspolitik erzeugten, werden die Zahlen nun korrigiert. Und dies, wär hätte dies erwarten können, nicht ins Positive. Das Statistische Bundesamt revidiert nun, dass 2023 das BIP um 0,9 % statt 0,3 % gefallen sei, 2024 um 0,5 % statt den bisherigen 0,2 %. Eine verheerende Korrektur, aber nur ein kleiner Teil des Problems.
Während die derzeitige Lage durchaus motiviert, die Probleme der Unternehmensnachfolge an der schlechten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands festzumachen, ist und bleibt dies nur eins von vielen Argumenten. Natürlich ist in der Folge von einem geringen Interesse sowie einer geringeren Bereitschaft der Unternehmerschaft auszugehen. Zu viele Risiken für einen Markt, der so geringe Chancen bietet. Doch es gehört mehr dazu.
Ca. 190.000 Unternehmen stehen im Zeitraum 2022-2026 zur Unternehmensübergabe bereit (IfM Bonn). Mit ca. 38.000 Übergaben pro Jahr eine echte Herausforderung. Doch warum werden die Unternehmen überhaupt übergeben? Der Report der Deutschen Industrie- und Handelskammer zur Unternehmensnachfolge findet eine Antwort. Doch diese lautet tatsächlich nicht Rezession, sondern: demografischer Wandel.
Die Studie befasst sich mit Unternehmen, die sich vor dem Hintergrund der anstehenden Unternehmensübergabe gezielt beraterische Unterstützung bei der IHK gesucht haben. 2024 wuchs dieser Wert mit knapp 10.000 Unternehmen auf ein Rekordhoch. 28 % dieser Unternehmen erwägen dabei eine Schließung. Der Hauptgrund? Weniger die wirtschaftliche Perspektive und viel mehr das fehlende Personal. 96 % geben dabei an, dass schlichtweg kein Nachfolger gefunden wurde. 72 % geben die fehlende Qualifikation der Fachkräfte an. Wirtschaftliche sowie bürokratische Bedenken sind ebenfalls berücksichtigt, machen aber „lediglich“ ca. 50 % der Angaben aus. Nicht die fehlende Perspektive an den Märkten ist die Ursache, dass immer mehr Unternehmer die Bereitschaft für ihr unternehmerisches Risiko verlieren, sondern schlichtweg ihr Alter. Die Anzahl der Senior Unternehmer ist allein 2023 bei 8.276, ein Anstieg von 22 % allein zum Vorjahr. Zum Vergleich: Die Anzahl der Übernahme Interessenten liegt bei 2.760. Ganze 73 % aller Unternehmer geben an, ihr Unternehmen aus Altersgründen abgeben zu müssen. Worauf lässt sich nun die akute Menge an Unternehmensübergaben zurückführen? Nicht auf das fehlende Interesse der Unternehmensfortführung, sondern vielmehr auf den verdienten Ruhestand der Unternehmer.
Nach gefundener Ursache bleibt die Frage: Wo sind die Interessenten? Haben die nachfolgenden Generationen einfach kein Interesse am Unternehmertum? Es ist davon auszugehen, schließlich haben die nachfolgenden Generationen einfach keine Lust mehr auf ehrliche Arbeit, oder? Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Bildungsforschung hat sich allein die Erwerbsquote der Studierenden von 2015 bis 2023 von 19,3 % auf 56 % gesteigert. Auch die Erwerbsquote unter den Nichtstudierenden stieg minimal auf 85,9 % an. Ebenso die unternehmerische Bereitschaft liegt vor. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung offenbart: ca. 4 % der 14- bis 25-Jährigen kann sich vorstellen ein eigenes Unternehmen zu gründen, 11 % planen eine Gründung sogar fest ein. Auch dieses Argument gehört dadurch leider verwiesen. Die „Akutbaustelle Unternehmensnachfolge“ besteht nicht aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands und dem daraus resultierenden fehlendem Interesse der Unternehmer ihre Unternehmung fortzuführen. Und sie besteht auch nicht aus der fehlenden Bereitschaft der nachfolgenden Generationen zu Arbeiten oder die Lücke in Unternehmen zu schließen. Sicherlich sind all dies Bestandteile und Einflüsse des Problems, die die derzeitige Situation noch einmal drastischer erscheinen lassen, doch verändern sie nicht das zentrale Problem: den demografischen Wandel.
Unsere Gesellschaft ist nun mal einen Alterungsprozess durchlaufen. Bevölkerungspyramiden lügen nicht. Laut Statistischem Bundesamt ist zwischen 1991 bis 2024 der Anteil der über 65-Jährigen von 12 Millionen auf über 19 Millionen gestiegen, ein Anstieg über 50 %. Anstatt 15 % im Jahr 1991 machen die über 65-Jährigen nun 23 % der Bevölkerung aus. Natürlich offenbart sich dieser Faktor auch im Rahmen der Unternehmensnachfolge. Das Verhältnis von Nachfolge-Unternehmen zu Interessenten in der IHK-Beratung lag 2023 bei drei. Drei Unternehmen haben die Wahl zwischen einem Interessenten. Man stelle sich vor, bei „Der Höhle des Löwen“ stehen drei Pitcher und versuchen einen Löwen zu überzeugen; Konflikte sind hier vorprogrammiert.
Doch wie geht es nun weiter? Ist die Zukunft der mittelständischen Nachbesetzung gescheitert? Sicherlich nicht. Nur wird es das erste Mal in vielen Jahren mehr eine Herausforderung der Unternehmen sein, sich selbst attraktiver, effizienter und moderner zu positionieren, um mögliche Interessenten zu überzeugen, was bisher mehr oder weniger allein den Interessenten oblag. Die Zeiten der Arbeitslosigkeit und der umfassenden Auswahlmöglichkeiten zukünftiger Nachfolger sind vorbei, die Realität heißt nun: Fachkräftemangel und demografischer Wandel. Eine Herausforderung und eine Chance zugleich für Unternehmen, die sich nun nicht mehr nur dem Markt aufgrund der Wettbewerbschancen anpassen müssen, sondern auch um eine erfolgreiche Nachfolge des Unternehmens zu sichern. Wandel durch Anpassung ist und bleibt omnipräsent, in Fragen der Politik, unseres Miteinanders und eben auch der Wirtschaft, vor allem in der Unternehmensnachfolge. Bereits 500 v. Chr., vor 2500 Jahren, zementierte dies der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos: „Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ So alt und doch so war.
Über Thomas Krüger
Thomas Krüger ist Unternehmensberater, Nachfolgeexperte www.unternehmensnachfolge.top und Gründer von BOSS-Scout sowie Geschäftsführer der www.unternehmensberatung-leipzig.de. Seit vielen Jahren begleitet er mittelständische Unternehmen bei den Themen Unternehmensnachfolge, Digitalisierung und strategische Weiterentwicklung. Mit seiner Arbeit schafft er praxisnahe Lösungen, die den Mittelstand zukunftsfähig machen und erfolgreiche Übergaben sichern.
Quellen:
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/rezession-daten-bruttoinlandsprodukt-100.html
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