Gastbeitrag von Dr. Vanessa Kowollik, EX XM Advisor bei Qualtrics ©Qualtrics

Die Einführung von Künstlicher Intelligenz verläuft schneller als jede technologische Transformation zuvor. Bei einigen Unternehmen verläuft dieser Prozess reibungslos. Bei anderen sind die Tools zwar vorhanden, doch fehlt es an Schwung. Der 2026 Qualtrics EX Trends Report zeigt die eigentliche Ursache – und die geht weit über Technologie oder Know-how hinaus. Es geht um Vertrauen und darum, dass dieses Vertrauen innerhalb der Belegschaft ungleich verteilt ist.


Zwei Wahrnehmungen, eine Realität: Die unsichtbare Spaltung der Belegschaft
Unternehmen, die KI einführen wollen, sollten sich eine zentrale Frage stellen: Nehmen alle Mitarbeitenden diesen Wandel überhaupt auf die gleiche Weise wahr? Die Antwort lautet: nein.
Während 53 % der Wissensarbeitenden der Veränderung ihrer Arbeit durch KI begeistert oder hoffnungsvoll entgegensehen, sinkt dieser Wert bei operativ Beschäftigten auf 39 % – hier überwiegt die Skepsis. Denn diese haben im Laufe der Zeit miterlebt, wie die Automatisierung Lagerhäuser, Logistikabläufe und Fertigungshallen umgestaltet hat. Sie wissen, was Technologie am Arbeitsplatz bewirken kann und sehen, dass nicht immer alle Mitarbeitenden gleichermaßen davon profitieren.
Wissensarbeitende hingegen erleben KI als etwas, das sie weitgehend selbst steuern können. Sie entscheiden, was sie nutzen und wie sie es nutzen, und spüren meist unmittelbar eine Produktivitätssteigerung. Wenn KI dabei hilft, Entwürfe schneller zu erstellen oder einen Bericht innerhalb von Minuten zu verstehen, fällt es leicht, das Gefühl zu haben, auf der richtigen Seite des Wandels zu stehen.


Der blinde Fleck vieler KI-Strategien
Die Begeisterung unter Wissensarbeitenden kann ein ernsthafteres Problem verschleiern. Denn wenn sich die KI-Einführung an denjenigen orientiert, die ohnehin schon optimistisch sind, dient sie auch nur der Hälfte der Belegschaft – und vermittelt der anderen Hälfte das Gefühl, dass KI etwas ist, das ihnen aufgezwungen wird, anstatt etwas, von dem sie profitieren.
Dieses Gefühl kann sich konkret äußern: Fehlt den Mitarbeitenden das Vertrauen, dass KI in ihrem Interesse eingeführt wird, werden sie die neuen Tools nicht annehmen – selbst wenn diese technisch verfügbar und sogar vorgeschrieben sind. Mit der Zeit vertieft sich die Entfremdung. Die Kluft zwischen denen, die sich durch KI gestärkt fühlen, und denen, die sich zurückgelassen fühlen, wird immer größer.
Die Daten zeigen, dass Mitarbeitende, die KI-Tools täglich oder wöchentlich nutzen, um mehr als 48 Prozentpunkte optimistischer sind als diejenigen, die sie nur selten nutzen. Die Erfahrung und Nutzung selbst schafft Vertrauen.


Hören Sie zu, bevor Sie loslegen
Erfolgreiche Organisationen machen sich vor der Einführung von KI ein Bild von der Einstellung ihrer Belegschaft gegenüber dieser Technologie und gestalten den Übergang entsprechend ihren Erkenntnissen.
Das bedeutet, Mitarbeitende im direkten Kundenkontakt konkret zu fragen: Was bereitet Ihnen Sorgen? Was würde dazu beitragen, dass Sie dies als nützlich und nicht als bedrohlich empfinden? Was haben Sie aus Ihren bisherigen Erfahrungen mit Technologie am Arbeitsplatz gelernt?
Die Antworten variieren je nach Branche, Position und der jeweiligen Geschichte des Unternehmens. Die Bedenken einer Pflegekraft gegenüber KI unterscheiden sich von denen eines Lagerarbeiters, und die sich wiederum von denen eines Außendiensttechnikers. Allgemeine Beruhigungsversuche gehen nicht auf konkrete Ängste ein. Zuhören und Verständnis hingegen schon.


Drei konkrete Hebel, mit denen Sie Vertrauen in KI aktiv aufbauen können
Sobald Sie wissen, wo Skepsis herrscht, können Sie darauf reagieren:

  1. Machen Sie den Nutzen für jede Rolle konkret
    Mitarbeitende im direkten Kundenkontakt müssen erkennen, was KI speziell für sie einfacher, schneller oder besser macht.
  2. Ermöglichen Sie Mitgestaltung
    Indem Sie operativ Beschäftigte in die Einführung von KI-Tools einbeziehen, verwandelt sich die Erfahrung von einer Auferlegung zu einer gemeinsamen Ausgestaltung.
  3. Bleiben Sie auch nach der Einführung am Ball
    Die Haltung der Mitarbeitenden gegenüber KI verändert sich, je nachdem, ob sie Erfahrungen damit sammeln (oder nicht). Durch die kontinuierliche Erfassung dieser Einstellung können Sie Probleme frühzeitig erkennen, Anpassungen vornehmen, wenn Tools nicht funktionieren, und zeigen, dass Feedback tatsächlich zu Maßnahmen führt.


KI-Transformation ist vor allem eine Vertrauensfrage
Die Einführung von KI wird maßgeblich vom Vertrauen der Mitarbeitenden beeinflusst. Und Vertrauen muss man sich verdienen. Die Führungskräfte im Unternehmen, die dies richtig umsetzen, sind diejenigen, die die Einstellung ihrer Belegschaft gegenüber Veränderungen bereits vor Beginn verstanden haben und ihre Konzepte an der gesamten Belegschaft ausrichten – und nicht nur für die Hälfte entwickelt, die bereits positiv gestimmt an Bord war.
Denn die Frage ist letztendlich nicht, ob KI Ihre Belegschaft verändern wird. Die Frage ist vielmehr, ob Ihre gesamte Belegschaft an einem Strang ziehen wird.

Über die Autorin:

Dr. Vanessa Kowollik ist EX XM Advisor bei Qualtrics und auf die Konzeption und Umsetzung globaler Strategien zur Mitarbeitererfahrung spezialisiert. In dieser Funktion arbeitet sie eng mit Unternehmen zusammen, um deren übergeordnete geschäftliche Prioritäten in eine strategische EX-Vision umzusetzen. Durch fachkundige Beratung zu Forschungsmethodik und Programmgestaltung entwickelt sie umfassende EX-Programme, die Engagement- und Pulsumfragen, 360°-Beurteilungen sowie Messungen über den gesamten Mitarbeiterlebenszyklus hinweg umfassen. Ihre Arbeit liefert die strategische Klarheit, die Führungskräfte benötigen, um Mitarbeiterfeedback in messbares Unternehmenswachstum umzuwandeln.
Kowollik verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Personalberatung in verschiedenen Branchen. Bevor sie im Mai 2020 zu Qualtrics kam, war sie als Senior Consultant bei IBM (ehemals IBM/Kenexa) tätig. Kowollik promovierte in Arbeits- und Organisationspsychologie an der University of Oklahoma.

Disclaimer:
„Für den oben stehenden Beitrag sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Nutzer verantwortlich. Eine inhaltliche Kontrolle des Beitrags seitens der Seitenbetreiberin erfolgt weder vor noch nach der Veröffentlichung. Die Seitenbetreiberin macht sich den Inhalt insbesondere nicht zu eigen.“