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ifaa: Forderungen nach pauschalen Entlastungstagen gehen an der Realität vorbei


Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) fordert zusätzliche freie Tage für Beschäftigte, die vom verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz betroffen sind. Begründet wird dies unter anderem damit, dass Routineaufgaben automatisiert werden und beim Menschen zunehmend komplexe Fälle, Beschwerden und Kontrollaufgaben verbleiben. Aus Sicht desifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaftgreift diese Schlussfolgerung arbeitswissenschaftlich zu kurz. „Aus dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz lässt sich kein pauschaler zusätzlicher Erholungsbedarf ableiten“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Sascha Stowasser, Direktor des ifaa. „KI verändert Tätigkeiten und Anforderungen. Ob daraus eine ungünstige Belastung entsteht, hängt von der konkreten Arbeitsgestaltung ab.“

Komplexität und Belastung nicht gleichsetzen
Dass durch Automatisierung Routinetätigkeiten entfallen und beim Menschen anspruchsvollere Aufgaben verbleiben können, ist grundsätzlich plausibel. Daraus folgt jedoch nicht automatisch eine höhere Fehlbelastung. Anspruchsvollere Tätigkeiten können auch abwechslungsreicher und lernförderlicher sein sowie größere Handlungs- und Entscheidungsspielräume eröffnen. „Komplexität und Belastung dürfen nicht gleichgesetzt werden“, betont Stowasser. „Entscheidend ist, wie Arbeitsaufgaben, Arbeitsorganisation, Qualifikation und die Aufgabenteilung zwischen Menschen und KI gestaltet werden.“

Auch die ifaa-Trendstudie „Zukunftstechnologien“ zeigt, dass KI zunehmend in der betrieblichen Praxis ankommt. Insbesondere in administrativen Bereichen hat sich der Einsatz verstärkt. Gleichzeitig ist die Akzeptanz von KI dort deutlich höher, wo Unternehmen bereits praktische Erfahrungen mit der Technologie gesammelt haben.
Produktivität ist keine Belastungsgröße

Der DBV begründet seine Forderung auch mit Produktivitätsgewinnen durch KI. Hier ist aus Sicht des ifaa eine klare Trennung notwendig. „Wie sich KI auf die Arbeitsbedingungen auswirkt, ist eine arbeitswissenschaftliche Gestaltungsfrage. Wie Produktivitätsgewinne verteilt werden, ist eine tarifpolitische Frage“, erklärt Stowasser. „Aus einem Produktivitätsgewinn folgt arbeitswissenschaftlich kein zusätzlicher Regenerationsbedarf.“

Angesichts des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels und des internationalen Wettbewerbs braucht Deutschland Produktivitätsfortschritte. KI bietet hierfür erhebliche Potenziale. „Wir sollten KI deshalb nicht zum Belastungstatbestand erklären. Entscheidend ist, die Technologie produktiv und menschengerecht zu gestalten – zum Nutzen von Beschäftigten und Unternehmen“, so Stowasser.

„Ein pauschaler Kompensationsmechanismus für den Einsatz von KI wäre auch über die Bankenbranche hinaus das falsche Signal. Er setzt technologischen Fortschritt mit zusätzlicher Belastung gleich, schafft Hürden für den KI-Einsatz und bremst Deutschland im internationalen Wettbewerb aus“, warnt Stowasser.

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