Mark Molyneux, Field CTO bei Commvault. Bildquelle: Commvault
Sechs Ratschläge für Zeiten mit geringer Personalstärke
Autor: Mark Molyneux, Field CTO, Commvault
Die Ferienzeit ist eine Zeit eines „besonderen Betriebsmodus mit erhöhten Kontrollanforderungen“, wie es in bürokratischer Sprache heißt – unter Technikern auch als „erhöhte Aufmerksamkeit“ bekannt. Diesen Sommer sollten IT-Teams ihre Aufmerksamkeit stärker auf Schwachstellen, vorgezogene Patch-Zyklen und das Incident Management richten, denn Mythos und andere Frontier-KI-Modelle haben die Risikobewertung verändert. Es werden mehr Schwachstellen veröffentlicht, welche die Resilienz einer Organisation bedrohen. Es gilt, den Fokus neu auszurichten, bevor die neuen KI-Gefahren im operativen Betrieb ankommen.
Die Statistiken der vergangenen drei Sommer zeigen keinen signifikanten Anstieg der Cyberangriffe, auch wenn die Risiken für Branchen mit besonders hohen saisonalen Umsätzen in der Sommerzeit höher sind, darunter etwa Tourismus, Reiseveranstalter, Hotels und Logistikunternehmen. CheckPoint hat in einer aktuellen Analyse auf diese Zusammenhänge hingewiesen. Diese Unterenehmen geraten offenbar in diesen Monaten verstärkt in den Fokus der Cyberkriminellen, da sie in ihrer Hauptumsatz-Saison stark von funktionierenden IT-Systemen abhängig und daher leichter durch Ransomware zu erpressen sind. Eine weitere Gefahr für die Tourismusbranche sind etwa Angriffe zur Datenspionage. Statistiken der europäischen Agentur für Cybersicherheit ENISA und des Computer Emergency Response Teams CERT-EU belegen das generelle Risiko, dass die Gesamtzahl der Angriffe auf alle Branchen kontinuierlich von Jahr zu Jahr steigt. Checkpoint hatte für das Sommerquartal 2025 anhand der Auswertung von Data-Leakage-Seiten eine im Jahresvergleich steigende Aktivität der Hacker belegt.
Um diese wichtige, aber risikobehaftete Urlaubszeit gut zu überstehen, empfehlen ENISA und andere Organisationen oder auch IT-Berater deshalb eine klare Strategie: Vorbereitung vor der Sommerperiode, strengere Kontrollen während dieser Monate sowie die Analyse der nach dem Sommer gewonnenen Erkenntnisse, um Maßnahmen für die Urlaubssaison im Winter anzupassen.
Die Cyberresilienz-Experten von Commvault geben daher sechs praktische Ratschläge, wie sich IT-Verantwortliche angemessen auf die Sommerperiode vorbereiten können:
- Den Sommer-Betriebsmodus offiziell erklären: Sicherheitsexperten fordern klare Rollen, Verantwortlichkeiten und die Verfügbarkeit von Sicherheitsfunktionen. Auch das BSI warnt, dass Personalabwesenheiten und Wissensmonopole Geschäftsprozesse gefährden können. Die Verantwortlichen für die Sicherheit, Sicherung und Verfügbarkeit der IT und der Daten sollten daher für die Monate Juli und August einen „Reduced Staff Operating Mode“ erklären und definieren. Dieser regelt den Vorrang kritischer Services und berücksichtigt die Minimalvorgaben an eine notwendige Betriebsfähigkeit. Er benennt auch die Verantwortlichen, Stellvertretungen, Bereitschaftsdienste, hinterlegt die einschlägigen Kontakte in der Supply Chain und definiert Eskalationszeiten.
- Stellvertreter einsetzen und Vier-Augen-Prinzip durchsetzen: Kein kritischer Prozess sollte von einer einzelnen Person abhängen: Administratoren, Security Operation Center sowie die Verantwortlichen für Netzwerk, Identity Access Management, Backup, Cloud, Service Desk, Einkauf/Finanzen und Kommunikationsfreigaben benötigen benannte Vertreter. Ebenso wichtig sind Inventare privilegierter Konten sowie deren regelmäßige Validationen.
- Patch- und Schwachstellenüberwachung aktiv halten: Die Zahl der durch KI-Modelle wie Mythos offengelegten Schwachstellen wird steigen. Das so beschleunigte und häufigere Aufkommen von Angriffen oder Angriffsversuchen erfordert möglicherweise zusätzliche Aufmerksamkeit. Kritische Schwachstellen dürfen nicht bis nach den Ferien warten: Die IT-Sicherheitsverantwortlichen müssen sicherstellen, dass tägliche bzw. regelmäßige Checks von CERT/CSIRT-, Anbieter- und Threat-Feeds erfolgen und Risiken priorisiert werden. Kompensierende Maßnahmen sind im Vorfeld zu testen, zu implementieren und zu dokumentieren. Die allgemeine Empfehlung lautet, relevante Schwachstellenkanäle zu überwachen, Scans durchzuführen und kritische Verwundbarkeiten schnell zu behandeln.
- Nicht-kritische Änderungen einfrieren; kritische und Notfalländerungen definieren: Für die Urlaubszeit gilt: Notfall-Prozesse für kritische Patches und Vorfälle sind aufrechtzuerhalten, nicht Kritisches ist zu verschieben. Ein in der Branche akzeptiertes Notfallmanagement verlangt, Patches und Änderungen geplant, genehmigt, dokumentiert, getestet und durch eine Recovery-Lösung abzusichern; Ebenso wichtig sind Änderungsverfahren mit verbundener Risikoanalyse, Tests, Rollback und Dokumentation.
- Backup und Recovery tatsächlich überprüfen: Gerade vor dem Sommerbetriebsmodus ist es wichtig, die Funktionsfähigkeit von Backups zu überprüfen. Verantwortliche sollten sich nicht nur vergewissern, ob Backups laufen, sondern, ob sie damit kritische Dienste tatsächlich wiederherstellen können: Zum Testkatalog gehören Restore-Tests sowie das Überprüfen der Integrität der Daten, Offsite-/Offline-/Immutable-Kopien, getrennte Administratorrechte und der Zugang auf eine dokumentierte Recovery auch dann, wenn das Unternehmensnetzwerk nicht verfügbar ist. Auch die Commvault-Experten raten zu Backup-Plänen, zu einer sicheren getrennter Speicherung, Integritätsprüfungen und regelmäßigen Wiederherstellungstests.
- Incident-Response-Runbooks durchspielen: Gerade vor der Sommerferienzeit empfiehlt sich ein Tabletop-Test für mindestens drei Ausfallszenarien: Phishing/Account-Takeover, Ransomware/Backup-Manipulation, kritischer SaaS-/Cloud-Ausfall. Die ENISA empfiehlt getestete Incident-Response-Verfahren, Playbooks/Runbooks und jährliche Tests mit Lessons Learned.
Cyber-Resilienz im Sommer erfordert eine starke Koordination menschlicher und technischer Fähigkeiten, insbesondere angesichts des Aufstiegs von KI. Sie erfordert außerdem Rückhalt und Unterstützung aus den Geschäftsbereichen, damit nichtkritische geschäftliche Änderungen reduziert und der Druck auf Teams verringert wird. Diese bekommen so mehr Zeit, ihre Prozesse anzupassen. Der Sommer sollte nicht zum Krisensommer werden – er sollte vielmehr der Moment sein, in dem die Teammitglieder ihre Stärke zu entwickeln.
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