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Ob in der Verhandlung, im Teammeeting oder auf der nächsten Messe – wer im Mittelstand erfolgreich sein will, muss überzeugend reden können. Doch Reden schreiben, Argumente schärfen und den richtigen Ton treffen – das kostet Zeit und Nerven. Genau hier kommt Künstliche Intelligenz ins Spiel.
Rhetoriktrainer Peter Flume aus Nürtingen weiß, wie Kommunikation wirkt. Seit mehr als 36 Jahren bringt er Menschen bei, klar, glaubwürdig und auf den Punkt zu sprechen. Und inzwischen hat er einen neuen Assistenten an seiner Seite: ChatGPT. Die KI hilft ihm und seinen Teilnehmenden dabei, Sprache gezielter einzusetzen – ohne den Menschen zu ersetzen.
ChatGPT als Trainingspartner nutzen
In seinen Seminaren baut Flume KI inzwischen ganz selbstverständlich ein. Teilnehmende trainieren dort zum Beispiel, mit ChatGPT echte Gespräche zu simulieren – etwa mit einem skeptischen Kunden oder einem kritischen Chef.
„Das macht Spaß, weil man sich ausprobieren kann, ohne dass gleich jemand danebensteht“, erzählt Flume. „Die KI reagiert schnell, stellt Gegenfragen, bleibt sachlich – das ist ideal, um an der eigenen Reaktion zu feilen.“
Gerade für Führungskräfte oder Vertriebsteams sei das eine gute Möglichkeit, sicherer aufzutreten. Und ganz nebenbei gewöhnen sie sich daran, moderne Tools sinnvoll zu nutzen.
Mit der KI zur klaren Struktur kommen
Im Alltag vieler Mittelständler bleibt kaum Zeit, um Reden oder Präsentationen in Ruhe vorzubereiten. „Viele wissen, was sie sagen wollen, aber nicht, wie sie es am Besten aufbauen“, sagt Flume.
Deshalb nutzt der Rhetorikcoach nun KI in seinen Trainings als Denkhilfe. Teilnehmende lassen ChatGPT Argumente ordnen, Gegenpositionen formulieren oder verschiedene Formulierungen ausprobieren. Die KI wird damit zum Sparringspartner – sie spiegelt, was funktioniert, und zeigt, wo es noch hakt.
Gerade bei wichtigen Präsentationen oder Verhandlungen kann das helfen. „Die KI kann als kritischer Gegenpart auftreten“, erklärt Flume. „So kann man seine Argumente testen, bevor man sie wirklich braucht.“
Digitalen Partner richtig füttern
Flumes Tipp: „Es kommt darauf an, wie man die KI fragt. Wer einfach drauflos promptet, kriegt meistens Mittelmaß. Wer aber klare Aufgaben stellt, bekommt brauchbare Ergebnisse.“
Mit den richtigen Prompts – also gezielten Anweisungen – kann ChatGPT zum Beispiel in Minuten eine Rede gliedern oder Vorschläge für den Einstieg liefern. Flume schätzt, dass sich so bis zu 70 Prozent der Vorbereitungszeit sparen lassen. „In meinem letzten Training bereitete ein Teilnehmer einen Fachvortrag für seine Thematik innerhalb von 30 Minuten vor. Anschließend konnte er ihn ohne Veränderungen überzeugend vortragen und wird ihn jetzt exakt so für eine Präsentation vor seinen Mitarbeitern nutzen. Das ging sensationell schnell.“, so Flume.
Er selbst lässt sich auch Ideen für passende Präsentationsfolien oder Visualisierungen ausgeben. „Oft bringt mich das auf Gedanken, auf die ich sonst gar nicht gekommen wäre“, sagt er.
KI findet langsam Einzug in Mittelstand
So hilfreich ChatGPT und andere Tools auch sind – in vielen Unternehmen ist ihr Einsatz noch eingeschränkt. „Manche dürfen externe KI-Plattformen wegen Datenschutz gar nicht nutzen“, sagt Flume. „Aber fast alle planen, sie irgendwann einzuführen.“
In seinen Trainings arbeitet er deshalb mit anonymisierten Beispielen oder arbeitet in den datenschutzrechtlich geschlossenen Systemen seiner Auftraggeber. Wichtig sei, dass Mitarbeitende den Umgang mit KI früh lernen – bevor sie sie im Arbeitsalltag wirklich brauchen. „Wer jetzt übt, spart später viel Zeit und Fehler“, ist Flume überzeugt.
ChatGPT nicht ungeprüft nutzen
Trotz aller Begeisterung bleibt Flume realistisch. „KI klingt oft klug, aber sie hat kein Wissen. Sie kombiniert nur das, was sie kennt.“ Deshalb warnt er davor, Texte ungeprüft zu übernehmen.
Manchmal seien Fakten falsch oder Zitate frei erfunden – und Emotionen könne die Maschine sowieso nicht ersetzen. Sein Rat: „Ergebnisse prüfen, überarbeiten, mit Persönlichkeit füllen. Nur dann wird’s wirklich gut.“ Für ihn ist das die eigentliche Kunst: die Technik zu nutzen, ohne sich von ihr treiben zu lassen.
Wie verändert KI also den Mittelstand?
KI kann im Mittelstand die Kommunikationsarbeit deutlich erleichtern. Sie hilft, Ideen zu sortieren, Argumente zu üben und Reden schneller vorzubereiten. Aber die eigentliche Wirkung entsteht immer noch durch den Menschen selbst – durch Authentizität, Erfahrung und Haltung.
Flume bringt es auf den Punkt: „KI ist kein Ersatz für gutes Reden. Aber sie kann helfen, schneller zu guten Ideen zu kommen. Und das ist für viele im Mittelstand schon ein echter Gewinn.
Über Peter Flume
Peter Flume ist Rhetoriktrainer und Coach aus Nürtingen. Seit über 35 Jahren begleitet er Führungskräfte und Teams in Kommunikation, Auftritt und Wirkung. In seinen neusten Seminaren verbindet er klassische Rhetorik mit modernen KI-Tools – und zeigt, wie Mensch und Maschine gemeinsam arbeiten können. Davon erzählt er auch in seinem kommenden Buch, das 2026 erscheinen wird.
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